Bald homosexuelle Priester in katholischer Kirche? Papst schließt Weihe nicht mehr aus
- Einschränkung: Gilt nur für "enthaltsame" Männer
- Vatikan-Dokument wird im November publiziert
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Ernüchternde Konklave-Bilanz für den Erzbischof
Während sich der Vatikan in der Vergangenheit prinzipiell gegenüber dem Thema Homosexualität unbeugsam zeigte, scheint sich nun unter Papst Benedikt XVI. eine gewisse Öffnung abzuzeichnen: So sollen Männer mit homosexuellen Neigungen künftig dann die Möglichkeit erhalten, zur Priesterweihe zugelassen zu werden, wenn sie beweisen können, seit mindestens drei Jahren enthaltsam und keusch zu leben - das berichtete die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" am Freitag.
Prinzipiell wird sich aber an der bisherigen Ordnung nichts verändern. Benedikt XVI. will in dem neuen Vatikan-Dokument weiterhin festhalten, dass Homosexuelle nicht Priester werden können. Wer öffentlich seine Homosexualität zeige oder auch bloß "kulturelles Interesse" an entsprechenden Büchern oder Filmen hege, dürfe auch künftig nicht Priester werden, ist in dem 16-seitigen Dokument zu lesen. Auch bisher hatte gegolten: "Homosexuelle oder Männer mit homosexuellen Tendenzen sind nicht geeignet, das Sakrament der Priesterweihe zu erhalten".
Bis zu 20 Prozent der Priester sind homosexuell
In Kirchenkreisen gilt es als offenes Geheimnis, dass viele Priester homosexuell sind. Wie hoch dieser Prozentsatz ist, ist aber völlig unklar, weil sich die Priester nicht zu ihrer Homosexualität bekennen dürfen. Mitunter ist von zehn bis 20 Prozent homosexuellen Priestern die Rede.
Der Vatikan hatte erst kürzlich angekündigt, homosexuellen Männern den Zugang zu Priesterseminaren versperren zu wollen. Die Bekräftigung des Bannes für Homosexuelle sei auch eine Antwort auf die zahlreichen Sexskandale unter Priestern. In den USA sind mehrere Bischöfe zurückgetreten, die pädophile Priester und deren Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gedeckt oder verschwiegen hatten.
Veröffentlichung des Papiers im November
Das neue Dokument wurde von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vorbereitet und soll im November als Instruktion veröffentlicht werden. Der Papst habe das Dokument bereits genehmigt. An der neuen Vorschrift für die Leiter von Priesterseminaren, den traditionellen Ausbildungsstätten für geistliche Berufe der Katholischen Kirche, wurde seit 2002 gearbeitet. Sie hätte eigentlich schon im vergangenen August publiziert werden sollen. Die Veröffentlichung wurde jedoch verschoben, offenbar um rund um den Weltjugendtag in Köln Polemik zu vermeiden.
(apa)
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