Friedensnobelpreis an ElBaradei und IAEO: Atomgegner über Entscheidung schockiert
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Als "Wiedergutmachung" für Dynamit-Erfindung
Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO/IAEA), Mohamed ElBaradei, sieht sich durch den Friedensnobelpreis im Kampf gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen bestärkt. "Endlich sind unsere Bemühungen voll anerkannt worden", sagte ElBaradei nach Bekanntwerden der Entscheidung des Osloer Nobelkomitees in Wien. Während die Politikerreaktionen überwiegend positiv ausfielen, zeigten sich Atomgegner "schockiert" über die Auszeichnung für ElBaradei und die IAEO.
Der Friedensnobelpreis sei eine "starke Nachricht" und bedeute: "Macht weiter so, was ihr macht", sagte ElBaradei in der Wiener UNO-City, wo er von dutzenden Mitarbeitern mit Applaus empfangen wurde. Die Entscheidung zeige, dass die Gefahr der Weitergabe von atomaren Waffen und des Nuklearterrorismus derzeit "Thema Nummer eins" auf internationaler Ebene sei. Dieser Gefahr könne nur "mit breiter internationaler Kooperation" begegnet werden, betonte der 63-jährige Ägypter. Er wies auch darauf hin, dass nukleare Sicherheit nur dann erreicht werden könne, wenn man den ärmeren Ländern auch Entwicklungsperspektiven biete.
Als größte Erfolge seiner Organisation führte er die Entdeckung des nordkoreanischen Atomprogramms im Jahr 1992, die Entwaffnung des Irak und den Verzicht Libyens auf sein Atomprogramm an. Auch beim Atomstreit mit dem Iran habe es "viele Fortschritte gegeben". Zudem habe die IAEO die Sicherheit von Atomanlagen im vergangenen Jahrzehnt deutlich verbessern können. Natürlich habe es auch Rückschläge gegeben, "aber das ist Teil des Lebens".
Die IAEO wurde 1957 als unabhängige Organisation innerhalb der Vereinten Nationen gegründet. Sie soll die friedliche Nutzung der Kernenergie und die Einhaltung des Ende der 60er Jahre geschlossenen Atomwaffensperrvertrages überwachen. ElBaradei steht seit 1997 an der Spitze der Organisation mit Sitz in Wien. Erst im September war er für eine dritte Amtszeit bestätigt worden, nachdem die USA ihren anfänglichen Widerstand aufgegeben hatten. ElBaradei sagte, es sei "absolut überrascht" von der Preisverleihung. Das Nobelpreiskomitee sei diesmal nämlich von seiner Tradition abgegangen, die Preisträger kurz vor der Bekanntgabe telefonisch zu informieren.
Bedrohung durch Nuklearwaffen nimmt zu
Das Nobelkomitee hatte seine Entscheidung damit begründet, dass "die Bedrohung durch Nuklearwaffen wieder zunimmt". Ihr müsse mit einer umfassenden internationalen Zusammenarbeit begegnet werden. "Dieser Grundsatz findet heute seinen klarsten Ausdruck in der Arbeit der IAEO und ihres Generaldirektors."
Erfreut zeigte sich UNO-Generalsekretär Kofi Annan, der die Gratulation an ElBaradei und den IAEO-Mitarbeitern aus Bern ausrichten ließ. Der Preis rufe auch die Notwendigkeit in Erinnerung, Fortschritte bei der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen und der Abrüstung zu machen. Denn Massenvernichtungswaffen seien eine große Gefahr "für uns alle". Positiv äußerten sich auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, der britische Premierminister Tony Blair und der französische Präsident Jacques Chirac. Der deutsche Kanzler Schröder sagte, mit der Auszeichnung werde ElBaradeis Haltung während des Irak-Krieges gewürdigt.
Iran will nichts zur Entscheidung sagen
ElBaradei berichtete zudem von einem "wunderbaren" Telefongespräch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice. Die iranische Regierung ließ erklären, sie habe nichts zu der Entscheidung zu sagen. "Keine perfekte Wahl" ist die IAEO in den Augen des israelischen Vizepremiers Shimon Peres, da die Organisation bei der Kontrolle des iranischen Atomprogramms viele Lücken habe.
Bundespräsident Heinz Fischer erklärte, über die Entscheidung könne man sich "nur uneingeschränkt freuen". Bundeskanzler Wolfgang Schüssel begrüßte die Entscheidung des Osloer Komitees als eine Aufwertung Wiens als "internationales Friedens - und Sicherheitszentrum". Außenministerin Ursula Plassnik (V) sagte, mit der Auszeichnung finde die Arbeit der Einsatz der Organisation "für die multilaterale, nukleare Abrüstung und die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen die internationale Anerkennung, die sie verdienen".
Kritik kam von Umweltorganisationen und Atomgegnern, wie Greenpeace, Global 2000 und die Salzburger Plattform gegen Atomgefahren (PLAGE). Sie argumentierten, die IAEO habe duch die Förderung von Atomkraft die Voraussetzungen für militärisch nutzbare Nukleartechnologie geschaffen. Als "äußerst zwiespältig" bezeichnete auch die Vize-Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. (apa/red)
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