Donnerstag, 6. Oktober 2005

Wieder Tote am Grenzzaun: Marokkanische Soldaten erschießen 6 Flüchtlinge vor Melilla

  • Gouverneur sagt: Truppen mit Selbstverteidigung
  • Spanien will Flüchtlinge nach Marokko abschieben

Marokkanische Truppen haben bei Auseinandersetzungen mit afrikanischen Flüchtlingen im Grenzgebiet zu den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla sechs Menschen erschossen. Ein Angriff von Seiten der Flüchtlinge habe die Truppen in der Nacht zum Donnerstag zur Selbstverteidigung gezwungen, erklärte der Gouverneur der Provinz Nador, Abdellah Bendhiba, über die staatliche Nachrichtenagentur MAP. 290 Immigranten seien festgenommen worden.

Seinen Angaben zufolge stürmten rund 400 Menschen einen Beobachtungsposten der Armee im Wald von Gourougou, in dem sich die Flüchtlinge oft verstecken, bevor sie versuchten, nach Ceuta und Melilla zu gelangen. Marokko hat 9000 Soldaten zum Schutz seiner Nordgrenze stationiert. Sie sollen auch das Eindringen der Emigranten in die spanische Enklaven verhindern.

Innenminister Mustapha Sahel hatte diese Woche gesagt, die Immigranten würden immer gewaltbereiter, weil die spanischen Gebiete immer mehr abgeriegelt würden.

Spanien will Flüchtlinge in Kürze nach Marokko abschieben
Spanien will noch am Donnerstagabend 70 afrikanische Flüchtlinge nach Marokko abschieben, die bei den Massenanstürmen der vergangenen Tage in die Exklave Melilla eingedrungen waren. Die illegalen Einwanderer stammten vor allem aus dem westafrikanischen Mali, sagte die spanische Vizepräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega. Schon zuvor hatte die Politikerin die Rückführung von in die Exklaven gekommenen Flüchtlingen angekündigt, jedoch noch keine genauen Angaben über den Zeitpunkt gemacht.

Grundlage der Abschiebungen sei ein Abkommen mit Marokko aus dem Jahr 1992, die Spanien zur Rückführung von Flüchtlingen berechtige, die das nordafrikanische Land auf ihrer Flucht durchquert haben. Marokko weigert sich bisher, Flüchtlinge ohne marokkanische Staatsbürgerschaft wieder aufzunehmen. In den vergangenen Tagen hatten hunderte Flüchtlinge die Sperrzäune um die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta im Norden von Marokko überquert.


(apa)

6.10.2005 21:58