Massenansturm von Afrikanern in Melilla: 1.000 versuchten Grenzzaun zu überwinden
- Spanien plant bereits die umgehende Rückführung
- 6. Flüchtlingsanstrum auf Exklaven Melila und Ceuta
Spanische und marokkanische Grenzpolizisten haben einen neuen Ansturm von nahezu 1.000 Elendsflüchtlingen auf die spanische Nordafrika-Exklave Melilla abgewehrt. "Sie haben es nicht geschafft, hineinzukommen", sagte ein Polizist. Auf beiden Seiten der Grenze seien die Sicherheitskräfte verstärkt worden. Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero stellte in Madrid ein Maßnahmenbündel zur Bewältigung der Flüchtlingskrise an, einschließlich Rückführungsabkommen mit den Herkunftsländern.
In der Hoffnung auf ein besseres Leben versuchten in der Früh Hunderte von Afrikanern zum wiederholten Male, den Stacheldrahtzaun des in Marokko gelegenen Gebiets an mehreren Stellen zu überwinden. Etwa 200 Personen wurden von der marokkanischen Polizei verhaftet, wie die Nachrichtenagentur MAP des nordafrikanischen Staates meldete. Zur Abwehr des neuen Ansturms auf Melilla setzten Spanier und Marokkaner auch Hubschrauber ein. Elf Afrikaner verletzten sich bei dem Ansturm und wurden in ein Krankenhaus in die marokkanische Stadt Nador gebracht.
Spanien kündigt Abschiebung an
Bereits vor dem sechsten Flüchtlingsansturm auf die Exklaven Melilla und Ceuta in etwas mehr als einer Woche kündigte die spanische Regierung an, alle etwa 700 in die Exklaven eingedrungenen Afrikaner nach Marokko abzuschieben. Madrid beruft sich dabei auf ein bilaterales Abkommen aus dem Jahr 1992, das allerdings von Marokko nie umgesetzt wurde. Die Herkunftsländer der Flüchtlinge weigern sich, diese wieder aufzunehmen, da sie zumeist kein Repatriierungsabkommen mit Spanien geschlossen haben. Zapatero sagte am Donnerstag, der Abschluss solcher Abkommen mit Mali und Ghana stehe kurz bevor.
Zapatero sagte weiter, dass der bestehende Grenzzaun erhöht und um einen Stacheldrahtverhau ergänzt werde. Zugleich zeigte der Sozialist Verständnis dafür, dass die Flüchtlinge etwa einer Dürre im Süden Marokkos oder anderer materieller Not entgehen wollten. Die Europäische Union müsse "eine gesonderte Hilfsanstrengung" unternehmen, um dieses Problem grundsätzlich zu lösen.
Umgehende Rückführung
Die spanische Vize-Regierungschefin Maria Luisa Fernandez de la Vega bemühte sich indes an Ort und Stelle um eine Krisenbewältigung. Sie hatte in Melilla eine umgehende Rückführung der illegalen Immigranten angekündigt. "In den nächsten Stunden, wahrscheinlich schon morgen oder übermorgen, werden die illegalen Immigranten wieder nach Marokko zurückgebracht."
Erst am Mittwoch hatten rund 500 verzweifelte Flüchtlinge aus Afrika zum wiederholten Male eine Massenflucht nach Melilla versucht. Von ihnen schafften es nur etwa 65 über die bis zu sechs Meter hohen Sperranlagen. Im Lager des Roten Kreuzes in Melilla, das Platz für 500 Menschen bietet, drängen sich mittlerweile rund 1.600 Flüchtlinge. Acht Menschen waren bei den bisherigen Fluchtversuchen ums Leben gekommen.
"Riesiges Problem"
Der deutsche Migrationsexperte Mark Terkessidis warf der EU und Marokko vor, das Schicksal der Flüchtlinge auszunützen. Die EU könne durch Berichte von Massenanstürmen ihre Abschottungspolitik legitimieren, während Marokko damit beweisen könne, "dass sie ein riesiges Problem haben", um Geld von der Union zu bekommen, sagte er im Ö1-Mittagsjournal des ORF. Tatsächlich sei das Flüchtlingsproblem in Marokko aber so gering, dass man es "gar nicht genug unterschätzen" könne. Es handle sich um 1.500 bis 3.000 Menschen im Norden Marokkos, die immer wieder mit Massenanstürmen versuchen würden, in die Exklaven vorzudringen.
Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl verglich die Grenzanlagen an den Exklaven Ceuta und Melilla mit einem neuen "Eisernen Vorhang" Europas. "Mehr Soldaten, höhere Stacheldrahtzäune und mehr Grenzüberwachungstechnik produzieren weiteres Leid und stellen eine massive Menschenrechtsverletzung dar", erklärte Pro Asyl. (apa)
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