Srebrenica-Massaker: Liste mit 20.000 Beteiligten erstellt - Ashdown zufrieden
- Republika Srpska will Namen an Tribunal übergeben
Nach jahrelanger Kritik an ihrer mangelnden Bereitschaft zur Aufarbeitung der Ereignisse in Srebrenica hat die Regierung der bosnischen Republika Srpska eine Liste mit den Namen von rund 20.000 Militärs erstellt, die 1995 an dem Massaker beteiligt gewesen sein sollen. Auf der Liste befänden sich die Namen von Angehörigen des Verteidigungs- und Innenministeriums sowie der Armee der Serbischen Republik, teilte ein Mitglied der Regierungskommission, welche die Umstände des Massakers untersucht, am Dienstag in Banja Luka mit. Die Liste soll dem bosnischen Kriegsverbrechertribunal zugestellt werden.
Der internationale Bosnien-Beauftragte Paddy Ashdown zeigte sich zufrieden. Er erwarte, dass die Liste auch dem UN-Tribunal in Den Haag übergeben wird. "Auf der Liste sind die Namen von Verantwortlichen, die Tötungen befahlen, und derjenigen, die sie ausführten", sagte das Kommissionsmitglied. Die bosnisch-serbische Regierung hatte bereits im März eine Liste mit den Namen von 892 Menschen an die Gerichtsbarkeit übergeben, die am dem Massaker beteiligt gewesen sein sollen und weiterhin Posten auf allen Ebenen der bosnisch-serbischen Behörden ausfüllten. Diesen Bericht hatte Ashcroft seinerzeit als "nicht zufriedenstellend" kritisiert.
Am Dienstag äußerte sich Ashdown positiv. Die Regierung in Banja Luka habe endlich ihre Verpflichtung eingesehen, die ihr vorliegenden Informationen über die Verbrechen in Srebrenica vorzulegen, hieß es in einer Erklärung seines Büros. Die Namen auf der Liste sollen vorerst nicht veröffentlicht werden, um die Ermittlungen und Fahndungen nicht zu gefährden. Die bosnisch-serbischen Behörden und das UN-Kriegsverbrechertribunal sollten sich bei ihren Ermittlungen zunächst auf diejenigen konzentrieren, die noch Funktionen innerhalb der Verwaltung der Serbischen Republik oder Bosnien-Herzegowinas innehätten, forderte Ashdown.
Während des Bosnien-Krieges wurden in der ostbosnischen Stadt Srebrenica am 11. Juli 1995 fast 8000 moslemische Männer und Jungen von den bosnischen Serben ermordet. Das Massaker wurde vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als Völkermord eingestuft und gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Hauptverantwortliche für das Massaker gelten der damalige bosnische Serbenführer Radovan Karazic und dessen Militärchef Ratko Mladic, die Fahndung nach beiden verlief bislang erfolglos.
In einem Massengrab in Nordostbosnien bargen Gerichtsmediziner unterdessen die Überreste von 213 Srebrenica-Opfern. Das Expertenteam begann seine Grabungen im Dorf Liplje am 15. September, wie der Leiter Murat Hurtic am Dienstag mitteilte. Mit Hilfe von DNA-Untersuchungen soll jetzt die Identität der Opfer geklärt werden. In Liplje wurden zuvor bereits vier Massengräber mit insgesamt etwa 1.000 Toten entdeckt.
(apa)
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