Montag, 3. Oktober 2005

Eine der fünf Säulen des Islam: Für
Moslems beginnt die Fastenzeit Ramadan

  • Tagsüber kein Sex, Essen, Trinken & Rauchen erlaubt
  • Das Fastenmonat ist aber kein Friedensmonat

Für rund eine Milliarde Moslems in aller Welt beginnt diese Woche, um den 5. Oktober, der Fastenmonat Ramadan. Während des nach dem Mondjahr berechneten islamischen Fastenmonats sind tagsüber Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr untersagt. In der Nacht darf dafür ausgiebig gespeist werden, es werden aber auch religiöse Übungen abgehalten. Nach islamischer Überlieferung hat Allah um 610 in einer Nacht im Ramadan seinem Propheten Mohammed das erste Mal den Koran durch den Erzengel Gabriel offenbart.

Der Ramadan beginnt - nicht immer zeitgleich in allen Ländern - sobald zwei gesunde Moslems die Neumondsichel am Himmel sichten. Ab dem Sonnenaufgang ist jede Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verboten. Es gibt aber auch Ausnahmen. Frauen ist das Fasten während der Menstruation und im Wochenbett verboten. Sie sollten ebenso wie Kranke und Reisende das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Kinder sind von dieser religiösen Pflicht (Fard) ausgenommen.

Für den gläubigen Moslem ist das Fasten im Ramadan der dritte der fünf Grundpfeiler des Islam ("Hingabe an Gott"). Die anderen vier sind das Glaubensbekenntnis, fünf tägliche Gebete, die Armensteuer und die Wallfahrt nach Mekka. Während des Ramadan sollen die Moslems durch Moscheenbesuche und Koranrezitationen ihren Glauben bezeugen und Opfergaben bringen. Die letzten zehn Nächte des Fastenmonats gelten als besonders heilig. Eine von ihnen heißt in Erinnerung an die Offenbarung Mohammeds "Nacht der Bestimmung" (Leilat al-Qadr), nach der auch die 97. Sure (Kapitel) des Koran benannt ist.

Nach Sonnenuntergang, "wenn ein weißer Zwirn nicht mehr von einem schwarzen zu unterscheiden ist", werden Datteln und Wasser gereicht. Danach folgt das Nachtgebet, das länger als gewöhnlich ausfallen sollte. In der Nacht versammeln sich die Gläubigen häufig zu einem gemeinsamen Essen. Der Ramadan endet am 27. Tag mit dem Freudenfest Eid al-Fitr (türkisch: seker bayrami).

Im Islam gibt es vier Monate, in denen Kriege verboten sind. Der Ramadan gehört nicht dazu. Schon Mohammed gewann seine erste große Schlacht im Ramadan. Im Jahr 624 siegte der Prophet in der Schlacht von Badr nahe Medina.

Auch in modernen Zeiten sorgte der Ramadan nicht für einen Stopp von Gewalt und Kriegen. So wurde im Ramadan einer der für die Araber wichtigsten Kriege begonnen: Ägypten griff Israel mitten im Fastenmonat von 1973 an.

Im Krieg zwischen dem Irak und dem Iran in den 80er Jahren bot die Führung in Bagdad im Jahr 1981 dem Gegner an, während des Ramadan die Waffen schweigen zu lassen. Die Regierung in Teheran aber wertete dies als Hinterhalt. Die Kämpfe gingen mit gleicher Härte weiter.

Im heutigen Irak werden der bewaffnete Widerstand gegen die US-geführten Streitkräfte, die Selbstmordattentate und Geiselnahmen auch im Ramadan weitergehen, ebenso der gewaltsame Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.(apa/red)

3.10.2005 10:13