Montag, 3. Oktober 2005

Steirer-Wahl mit Auswirkungen auf Bund: Meinungsforscher sehen Rückenwind für SPÖ

  • Leichter Gegenwind für ÖVP in Burgenland und Wien
  • Kaum Chancen bei BZÖ - FPÖ könnte profitieren

Der Ausgang der steirischen Landtagswahl könnte bis zu einem gewissen Grad auch Auswirkungen auf die anstehenden Wahlgänge in Wien und im Burgenland haben. Meinungsforscher und Politologen sahen am Montag auf APA-Anfrage vor allem Rückenwind für die SPÖ und etwas Gegenwind für die ÖVP. Die Chancen des BZÖ werden nun noch geringer eingeschätzt, bei den Freiheitlichen gibt es unterschiedliche Einschätzungen.

Im Burgenland wird bereits nächsten Sonntag (9. Oktober) ein neuer Landtag gewählt, die Bundeshauptstadt folgt zwei Wochen später (23. Oktober). Nach dem Wahlsieg der steirischen SPÖ könnte sich nun der so genannte "Bandwaggon"-Effekt - also ein "Lauf-Zum-Sieger-Effekt" - einstellen, sagte David Pfarrhofer vom "market"-Institut. Die Stimmungslage für die SPÖ sei "sicher vorteilhaft". Auf der anderen Seite bestehe auch die Gefahr, dass die Funktionäre zu sicher werden, so Pfarrhofer. Auch Fritz Karmasin von "Gallup" sagte, es sei "immer von Vorteil, wenn man zu einer Gruppe gehört, die am Gewinnen ist". Gleichzeitig sei die Situation in Wien und im Burgenland insofern anders, als es keinen Kampf um Platz eins gebe.

Keine "sehr dramatischen Auswirkungen" erwartet zwar der Politologe Anton Pelinka, ein "kleiner Zusatz-Effekt" werde aber für die SPÖ schon drinnen sein. Sein Kollege Fritz Plasser vermutet ebenfalls einen "positiven Meinungsklimaschub" für die SPÖ. Die Chancen auf absolute Mehrheiten stünden nun noch besser. Gleichzeit blase nach dem Verlust des Landeshauptmann-Sitzes in der Steiermark der ÖVP der "Wind ins Gesicht". Man dürfe aber auch nicht übertreiben, so Plasser. Die Situation in Wien und im Burgenland sei eine andere. Es sei aber möglich, dass es im Kampf um Platz zwei in Wien eine "atmosphärische" Verschlechterung gebe und auch im Burgenland der positive Trend abgeflacht werde.

Karmasin vermutet, dass sich bei der ÖVP "ein gewisser Pessimismus" einstellt. Schließlich habe man damit gerechnet, eine relative Mehrheit in der Steiermark retten zu können. Pfarrhofer meinte, die Volkspartei werde im Wahlkampffinale nun "kämpfen" müssen. Die Ausgangslage bei den anstehenden Wahlen sei "nicht rosig". Es werde nicht leicht sein, große Gewinne einzufahren.

Kaum Chancen bei BZÖ
Dem BZÖ, das in Wien, nicht aber im Burgenland antritt, geben Politologen und Meinungsforscher durch die Bank kaum mehr Chancen. Das Bündnis bekam in der Steiermark nur 1,7 Prozent. Es gebe jetzt sicher ein "gewisses Maß an Frustration bei potenziellen Wählern", so David Pfarrhofer ("market"). Und: "Es kann sein, dass manche nicht das BZÖ wählen, weil sie das Gefühl haben, die schaffen den Einzug ohnehin nicht." Ähnliches vermutet Anton Pelinka: Eine solche Einstellung würde dann vor allem der FPÖ helfen, glaubt er.

Bei den Freiheitlichen sind sich die Experten allerdings nicht ganz einig. Nach dem Ausscheiden aus dem steirischen Landtag stellt sich für Fritz Plasser die Lage für die anderen Landes-FPÖs "noch schwieriger" dar. Pfarrhofer hält aber auch einen so genannten "Mitleidseffekt" für möglich. "In der Steiermark hat nur eine Hand voll Stimmen gefehlt. Das mag eine Chance sein, dass noch mehr gelaufen wird und die Anhänger besser mobilisiert werden." Der "interne Zweikampf" mit dem BZÖ sei jedenfalls deutlich entschieden. Einen "Mobilisierungseffekt" hält auch Fritz Karmasin ("Gallup") für möglich. Auch wenn die Freiheitlichen den Einzug in den Landtag nicht geschafft haben, hätten sie besser abgeschnitten als erwartet.

Bei den Grünen sah Pfarrhofer zwar eine "Rückschlag" in der Steiermark, in Wien und im Burgenland gebe es aber ganz unterschiedliche Wahlen. "Für beide muss es aber ein Alarmsignal sein, dass man Wahlerfolge nicht im Schlaf einfährt." Außerdem gebe es dort keinen Kampf um den Landeshauptmann. Karmasin sieht vor allem in der Bundeshauptstadt ein positiveres Umfeld für die Grünen. Das schlechte Steiermark-Ergebnis müsse sich nicht negativ auswirken. In Wien befürchtet solche auch Pelinka nicht, im Burgenland sehe er die Situation aber "heikel". Negative Auswirkungen seien hier nicht auszuschließen.

Einig waren sich alle Befragten, dass die KPÖ außerhalb der Steiermark nicht punkten wird können. Es werde "keine Renaissance des Kommunismus" geben, formulierten Plasser und Karmasin wortgleich. "Das wird ein Steiermark- bzw. ein Kaltenegger-Phänomen bleiben", glaubt auch Pfarrhofer. Pelinka: "Ich sehe keinen Kaltenegger in Wien oder im Burgenland." (apa/red)

3.10.2005 11:59