Nach Machtwechsel in Steiermark: Erstmals vier rote und vier schwarze Bundesländer
- ÖVP hat seit 1945 kein einziges Land dazu erobert
- 2. Mehrheitswechsel von VP zu SP in 19 Monaten
·3. große Wahl-Pleite für Kanzlerpartei ÖVP
In Steiermark, Salzburg 2004 und Kärnten 2004
·Steirer-Wahl mit Auswirkung auf Bund
Regierung verliert die Mehrheit im Bundesrat
Den zweiten Machtwechsel von der ÖVP zur SPÖ binnen 19 Monaten brachte die steirische Landtagswahl. In der 120. Landtagswahl der Zweiten Republik hat es die SPÖ geschafft, der ÖVP nach Salzburg im Vorjahr das zweite traditionell schwarz dominierte Land abzunehmen. Damit sind erstmals seit 1945 ebenso viele Bundesländer rot wie schwarz - nämlich jeweils vier. 4 S : 4 V : 1 B steht es nun in den Landtagsmehrheiten.
Im März 2004 "fiel" Salzburg; außerdem liegt die SPÖ seit 1945 in Wien und seit 1964 im Burgenland vorne. ÖVP-Mehrheiten gibt es jetzt nur mehr in Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg. In Kärnten hat die FPÖ - mittlerweile zum BZÖ mutiert - im Vorjahr den ersten Platz verteidigt.
Die ÖVP hat seit 1945 kein einziges Land dazu erobert; Machtwechsel erreicht haben bisher nur die SPÖ - in der Steiermark, in Salzburg und im Burgenland - sowie die FPÖ. Die Blauen sind in Kärnten - wo sie zuvor schon kurz den Landeshauptmann stellten - seit 1999 stimmenstärkste Partei.
In der Steiermark (1953 bis 1957) und in Oberösterreich (1968 bis 1973) lag die SPÖ schon jeweils eine Periode lang knapp vor der ÖVP. Zum wirklichen Machtwechsel kam es aber nicht; die ÖVP sicherte sich mit Hilfe der FPÖ den Landeshauptmannsessel und war bei der jeweils nächsten Wahl wieder Stimmenstärkste. Durchgehend schwarze Mehrheiten gab und gibt es in Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg.
Ein "Kernland" der ÖVP wie Tirol oder Vorarlberg war die Steiermark nie: Sie zählt vielmehr zu den Ländern, in denen bei früheren Nationalratswahlen (nicht 2002) die Mehrheit auch häufig SPÖ wählte. Und auch bei der Wahl des Bundespräsidenten lag SPÖ-Kandidat Heinz Fischer in der Steiermark vor ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner.
Landtagsmehrheiten in der Zweiten Republik:
Burgenland: ÖVP 1945-1964, SPÖ seit 1964
Kärnten: SPÖ 1945-1999, FPÖ seit 1999
Niederösterreich: ÖVP seit 1945
Oberösterreich: ÖVP 1945-1967, SPÖ 1967-1973, ÖVP seit 1973
Salzburg: ÖVP 1945-2004, SPÖ seit 2004
Steiermark: ÖVP 1945-1953, SPÖ 1953-1957, ÖVP seit 1957
Tirol: ÖVP seit 1945
Vorarlberg: ÖVP seit 1945
Wien: SPÖ seit 1945
Landeshauptleute:
Burgenland: Hans Niessl (S) - seit 2000
Kärnten: Jörg Haider (F/B) - seit 1999
Niederösterreich: Erwin Pröll (V) - seit 1992
Oberösterreich: Josef Pühringer (V) - seit 1995
Salzburg: Gabi Burgstaller (S) - seit 2004
Steiermark: Waltraud Klasnic (V) - seit 1999
vorauss. Franz Voves (S) - ab 2005
Tirol: Herwig van Staa (V) - seit 2002
Vorarlberg: Herbert Sausgruber (V) - seit 1997
Wien: Michael Häupl (S) - seit 1994
