Sonntag, 9. Oktober 2005

Tagung nach Wahl: ÖVP Burgenland plant keine Änderungen in der Führungsriege

  • Partei will aber inhaltlich neue Wege beschreiten
  • Auch SPÖ mit bekannten Gesichtern in neue Periode

Ohne personelle Veränderungen in ihren Regierungsteams wollen SPÖ und ÖVP nach der Landtagswahl vom Sonntag in die neue Legislaturperiode starten. Beide Parteien analysierten am Montag in ihren Vorstandssitzungen das Ergebnis. Die Sozialdemokraten wollen noch diese Woche mit der Volkspartei Gespräche beginnen, kündigte danach LH Hans Niessl (S) an. Die ÖVP hat laut LHStv. Franz Steindl bereits ihr Verhandlungsteam nominiert.

Gesprächen räumte die ÖVP, die sich in Zweckoptimismus übte, unter der Voraussetzung der Ernsthaftigkeit "gute Chancen" ein. Bei der Ressortaufteilung deutet sich jedoch bereits Konfliktpotenzial an: Während LH Niessl erklärte, die Wahlergebnisse - sprich die am Sonntag erreichte SPÖ-"Absolute" - müssten sich in der Ressortverteilung widerspiegeln, meinte LHStv. Steindl, die ÖVP wolle daran nichts ändern.

Die SPÖ will wieder Walter Prior als Landtagspräsident vorschlagen und Manfred Moser als dritten Präsidenten nominieren, so Niessl. Den Landtagsklub werde weiterhin Christian Illedits anführen, ebenso bleibt Rudolf Strommer Klubchef der ÖVP, die bis Jahresende ein Organisationspapier zur Neuausrichtung der Partei erarbeiten will.

Bei der auf zwei Mandate geschrumpften FPÖ, die sich am Dienstag im Parteivorstand mit der Wahl und ihren Folgen befassen will, ließ der drittgereihte Klubobmann Manfred Kölly Präferenzen für einen Sitz im Landtag erkennen. Kölly fuhr in seiner Heimatgemeinde Deutschkreutz mit 30,5 Prozent das beste Gemeinderesultat für die Freiheitlichen ein. Am zweiten Platz ist bei der FPÖ LAbg. Ilse Benkö nominiert. Die Grünen wollen am Montag Abend einen Landesparteivorstand abhalten, gaben sich im Vorfeld jedoch schweigsam.

Auf Bundesebene zeigte sich ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer über den SPÖ-Erfolg trotz Bank Burgenland "irritiert". Niessl habe seinen Landeshauptmann-Bonus "voll ausgeschöpft". SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer freute sich angesichts des "historischen" Resultats über eine 80-prozentige Wahlbeteiligung der 16- und 17-jährigen Burgenländer. 53 Prozent der 16-bis 29-Jährigen hätten sich am Sonntag für die Sozialdemokratie entschieden, meinte der SPÖ-Chef. Die ÖVP hat diesbezüglich allerdings andere Zahlen, wo ihre Partei bei den Jugendlichen vorne liegt.

Die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, meinte, ihre Partei hätte sich "ein besseres Ergebnis gewünscht". Gleichzeitig hob sie hervor, dass man in Gemeinden mit grünen Kandidaten "sehr gut" abgeschnitten habe.

Während in den Parteien noch analysiert und debattiert wird, hat im Burgenland bereits der Abbau der Wahlplakate begonnen. In spätestens zwei Wochen sollen die letzten Werbeständer und Großplakate wieder aus dem Landschaftsbild verschwunden sein.

(apa/red)

9.10.2005 22:07