Sonntag, 9. Oktober 2005

Totaler Erfolg für Niessl: SPÖ hat erstmals seit 1987 wieder Absolute Mehrheit geholt!

  • ÖVP gelang ihr erster Zuwachs im Lande seit 1956

Noch etwas röter ist das seit 40 Jahren SPÖ-dominierte Burgenland mit der Landtagswahl geworden. Denn die SPÖ unter LH Hans Niessl hat es geschafft, die 1987 verloren gegangene Absolute in Stimmen und Mandaten wiederzuerobern. Der ÖVP gelang ihr erster Zuwachs im Lande seit 1956. Dennoch liegt sie fast 16 Prozentpunkte (nach dem vorläufigen Endergebnis) hinter der SPÖ. FPÖ und Grünen gelang es, im Landtag zu bleiben - wobei die FPÖ kräftige Einbußen, die Grünen geringfügige Verluste hinnehmen mussten. Das im Frühjahr gegründete BZÖ trat im Burgenland nicht an.

Das Burgenland ist - neben Wien, Salzburg und Steiermark - eines der vier derzeit roten Bundesländer. Dort hatte sich 1964 der erste Machtwechsel der Zweiten Republik von der ÖVP zur SPÖ abgespielt. Seither war die SPÖ unangefochten stimmenstärkste Partei.

Bei den fünf ersten Wahlen der Zweiten Republik - von 1945 bis 1960 - wählten die Burgenländer "schwarz"; zwei Mal errang die ÖVP in diesen Jahren - in denen von 1945 bis 1956 auch die KPÖ und seit 1949 die FPÖ im Landtag vertreten waren - sogar die absolute Mehrheit. Danach ging es ständig bergab - bis 1964 die SPÖ schließlich stimmenstärkste Partei wurde.

Die SPÖ startete 1964 - unter Hans Bögl - mit der relativen Mehrheit und wurde dann unter Theodor Kery vier Mal mit der "Absoluten" ausgestattet. Diese verlor sie 1987 nach einer kräftigen Niederlage bei gleichzeitig deutlichem Zugewinn der FPÖ. Seither lag die SPÖ deutlich unter 50 Prozent; ihren bisher letzten Stimmenverlust musste sie 1996 hinnehmen.

Im Jahr 2000 hatte sie überraschend schon wieder zugelegt - obwohl eigentlich die ÖVP gehofft hatte, wieder die Mehrheit zu schaffen. Das gelang ihr nicht; sie verlor noch geringfügig und ging somit mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis in die heutige Wahl.

Die FPÖ war im Burgenland nicht durchgehend im Landtag vertreten. Bei drei Wahlen - 1968, 1977 und 1982 - gelang es ihr nicht, ein Mandat zu erringen. In der Ära Haider legten die Freiheitlichen - wie in den anderen Ländern auch - zu, bis auf fast 15 Prozent. 2000 mussten sie bereits einen ersten, noch relativ glimpflichen, Verlust hinnehmen. Diesmal verabschiedeten sich mehr als 50 Prozent ihrer früheren Wähler, obwohl das BZÖ gar nicht antrat.

Den Grünen gelang es im Burgenland erst bei der vorigen Wahl, Landtagspartei zu werden. Die heutige Landtagswahl bescherte ihnen nach einer langen Serie von Erfolgen seit dem Jahr 2000 das zweite Minus nach der Steiermark in der Vorwoche. (apa/red)

9.10.2005 19:20