Sonntag, 9. Oktober 2005

SPÖ-Absolute im Burgenland: Klassische Parteibindungen gaben den Ausschlag!

  • Bank Burgenland hat untergeordnete Rolle gespielt
  • Spitzenkandidaten: Nur Niessl hat wirklich gezogen

Die klassischen Parteibindungen haben die Landtagswahl im Burgenland entschieden. Das ist das Ergebnis einer OGM-Wahltagsbefragung (1.000 Telefoninterviews). Auch der SPÖ-Spitzenkandidat Hans Niessl, der künftig mit einer absoluten Mehrheit im Rücken regieren kann, war ein wichtiges Zugpferd. Die Bank Burgenland, die bereits das zweite Mal Wahlkampfthema war, hat hingegen nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

76 Prozent der Befragten haben angegeben, die von ihnen gewählte Partei vertrete ihre Interessen am besten. 71 Prozent haben von sich angegeben, sie seien Stammwähler. Auf Rang drei folgt mit 69 Prozent trotz der neuen Absoluten für die SPÖ das Motiv "Kontrolle". OGM-Politologe Peter Hajek dazu: "Bemerkenswerterweise konnten davon die Oppositionsparteien kaum profitieren."

Mit 64 Prozent stark vertreten war weiters das Wahlmotiv "Gute Entwicklung des Landes". Mit deutlich schwächeren Werten tauchen unter den Gründen für die Wahl die Debatte um die Bank Burgenland (39 Prozent), die Wahlwerbung der jeweils eigenen Partei (30 Prozent) und der Protest gegen die Bundesregierung (29 Prozent) auf. "Die stabilen Verhältnisse im Burgenland konnten auch durch die Bank Burgenland-Debatte nicht durcheinander gebracht werden", resümierte Hajek.

Deutliche Unterschiede gibt es in der Bewertung der Spitzenkandidaten. Niessl war 76 Prozent der SPÖ-Wähler besonders wichtig für die Entscheidung. Von Franz Steindl sagen das 48 Prozent der ÖVP-Anhänger, von Johann Tschürtz 45 Prozent der Blauen. Abgeschlagen Grün-Spitzenkandidatin Grete Krojer: Sie war nur für jeden vierten Grün-Wähler entscheidend.

Bei der Analyse der Motive nach Parteibindung fällt auf, dass die SPÖ stark von der Zufriedenheit ihrer Anhänger sowohl mit der Partei als auch der Entwicklung des Bundeslandes profitiert hat. Mit ihrer Partei sind auch die Anhänger der Schwarzen zufrieden, bei den Motiven folgen bei ihnen dann aber bereits die Wahlkampfthemen der ÖVP, die Kontrolle von Missständen und die Bank Burgenland-Debatte. Bank Burgenland und Kontrolle sind auch die Hauptmotive für Grüne und Blaue.

Die Nichtwähler haben die Parteien und Kandidaten nicht ausreichend attraktiv gefunden, was laut Hajek durchaus auch auf den in der Schlussphase härteren Wahlkampf zurückgeführt werden kann. 41 Prozent der Nichtwähler sind zudem davon überzeugt, dass ihre Stimme ohnehin keinen Einfluss hat.

Die starke Bindung an die Parteien spiegelt sich auch im Zeitpunkt der Wahlentscheidung. Nur zehn Prozent haben angegeben, sich in den letzten zwei bis drei Wochen (7 Prozent) oder überhaupt erst in den letzten Tagen vor der Wahl (3 Prozent) entschieden zu haben. Für 90 Prozent war schon früher klar, wo sie ihr Kreuzerl machen. In der Steiermark, wo der Landtagswahlkampf von Skandalen und Affären geprägt war, hat sich im Vergleich dazu ein Viertel der Wähler erst in den letzten zwei bis drei Wochen (10 Prozent) oder in den letzten Tagen vor der Wahl am vergangenen Sonntag (14 Prozent) entschieden.

SP quer durch voran
Die SPÖ hat laut der OGM-Wahltagsbefragung für den ORF bei der burgenländischen Landtagswahl am Sonntag in nahezu allen Bevölkerungsgruppen 50 Prozent oder mehr erreicht. Deutliche Abweichungen gibt es nur bei den Arbeitern und Selbstständigen, wo die Sozialdemokraten 62 Prozent bzw. 22 Prozent erreicht haben. Auch die ÖVP-Ergebnisse sind bis auf diese beiden Gruppen konstant. Unterschiede im Wahlverhalten gab es sonst vor allem für die kleineren Parteien FPÖ und Grüne.

Differenzen für Blaue und Grüne gibt es zum einen bei einer Analyse nach Geschlecht. Während bei den Männern mit 7 zu 4 Prozent die Freiheitlichen vorne liegen, tun dies bei den Frauen mit 6 zu 5 Prozent die Grünen.

Nach Altersgruppen liegen die Grünen bei den Wählern von 16 bis 49 Jahren in Front. In der Generation 50 plus hingegen hat die FPÖ 5 Prozent erreicht, die Grünen nur 2 Prozent. Bei den Pensionisten ist die Differenz mit 7 zu 1 Prozent noch größer.

Nach Berufsgruppen haben die Freiheitlichen bei Arbeitern und Selbstständigen mehr Stimmen erreicht als die Grünen. Die Öko-Partei liegt dafür bei Beamten und Angestellten besser. (apa/red)

9.10.2005 17:52