Franz Steindl: Der ÖVP-Chef verlor im Jahr 2005 den Kampf gegen "rote Übermacht"
- Magerer Zugewinn für Landeshauptmannstellvertreter
Die ÖVP hat zwar erstmals seit den 50er-Jahren wieder im Burgenland zugelegt, die viel gefürchtete Absolute der SPÖ konnte Spitzenmann Franz Steindl bei seiner ersten Spitzenkandidatur aber nicht verhindern. Auch die Fokussierung des Wahlkampfs auf die Bank Burgenland durch die Schwarzen hat letztlich nur eingeschränkt gefruchtet.
Steindl wurde am 10. Jänner 1960 in Purbach geboren, er ist seit 1985 verheiratet mit seiner Frau Jutta und hat zwei Kinder. Nach der Matura in Eisenstadt studierte er an der Universität Wien Volkswirtschaft. Politisch betätigte er sich schon 1980 als Funktionär bei der Jungen Volkspartei. 1986 übernahm er die Funktion des ÖAAB-Landessekretärs, die er bis 1991 ausübte.
In der Zeit von ÖVP-Chef Gerhard Jellasitz lenkte er von 1992 bis 1994 als Landesgeschäftsführer die Geschicke der Parteiorganisation, ehe er im November 1994 schließlich in den Nationalrat einzog. In seiner Heimatgemeinde Purbach konnte Steindl nach einer Periode als Vizebürgermeister 1992 den Bürgermeistersessel wieder für die ÖVP zurückgewinnen und wurde damals jüngster Ortschef des Burgenlandes.
Im April 2000 kehrte Steindl der hohen Politik zunächst den Rücken, verließ den Nationalrat und widmete sich der Leitung des WIFI Burgenland. Im Dezember kam es für ihn zum Blitz-Comeback: Am Wahlabend trat LHStv. Jellasitz zurück, am Tag darauf wurde Steindl ins Landhaus geholt und noch am Nachmittag als dessen Nachfolger präsentiert.
Zu den Hobbys des ÖVP-Chefs zählt vor allem die Musik: Neben seinem Volkswirtschaftsstudium belegte er an der Musikhochschule Wien sechs Semester das Konzertfach Trompete, privat spielt er bei der Jazz-Rockband "Doc Zorro" mit. Eine weitere Leidenschaft gilt der Feuerwehr, die als LHStv. auch in sein Ressort fällt: Steindl war bei den Florianijüngern seit dem 13. Lebensjahr aktiv.
Zum politischen Verantwortungsbereich Steindls gehört auch das Wirtschaftsreferat, das er nach dem Ausscheiden von Landesrat Karl Kaplan aus der Politik im Vorjahr übernahm. Als Landeshauptmannstellvertreter und Gemeindereferent begann er ein reges Besuchsprogramm in den Gemeinden, das er mit dem Vorsatz, er wolle jedem Burgenländer einmal die Hand geben, unterstrich.
In der Landesregierung wollte nach der Landtagswahl 2000 der politische Hausfrieden nicht mehr so richtig einkehren: Zwischen den beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP und auch ihren Chefs Niessl und Steindl gab es immer wieder Spannungen, vor allem rund um das Thema Bank Burgenland.
In Sachen Bank-Privatisierung verschärfte Steindl nach dem Scheitern des Verkaufs an die Kärntner Hypo Alpe Adria zunehmend seine Kritik an Landeshauptmann Niessl und der SPÖ. Den Beschluss des Sanierungspakets durch die Sozialdemokraten im vergangenen Dezember bezeichnete die ÖVP als Verlassen des gemeinsamen Weges durch die SPÖ, die genau gegenteilig argumentierte. Im Wahlkampf propagierte der VP-Chef zuletzt vergeblich das Verhindern einer SP-Absoluten und positionierte die ÖVP "gegen die rote Übermacht".
