Sonntag, 9. Oktober 2005

Hans Niessl: Der "Teamchef" machte im Jahr 2005 das Burgenland wieder absolut rot

  • Burgenlands LH wurde 2000 Nachfolger von Karl Stix

Hans Niessl hat die SPÖ wieder in die erfolgreichen alten Zeiten zurückgeführt. Erstmals seit 1987 hat seine Partei im Burgenland wieder die absolute Mehrheit inne. Dabei war Niessl ursprünglich ein Notnagel gewesen, der im Zuge der Bank Burgenland-Affäre die schwer angeschlagene SPÖ überraschend übernehmen musste und sie dann schon 2000 zu einem überraschenden Wahlerfolg führte.

Niessl wurde am 12. Juni 1951 in Zurndorf geboren. Nach der Matura an einer HTL in Wien absolvierte er in der Bundeshauptstadt die Pädagogische Akademie. Ab 1974 unterrichtete er an der Hauptschule Frauenkirchen, wo er von 1981 bis 1996 zunächst als Volks- und später als Hauptschuldirektor tätig war.

1984 von der SPÖ in den Gemeinderat geholt, wurde Niessl 1987 in Frauenkirchen zum Bürgermeister gewählt und übte dieses Amt, ausgestattet mit einer soliden Mehrheit, bis zu seiner Wahl zum Landeshauptmann aus. 1996 zog er in den Landtag ein, 1999 übernahm er von Peter Rezar, der in die Regierung wechselte, die Funktion des Klubobmannes.

Im Sommer 2000 veränderte dann die Bank Burgenland die politische Landschaft: Nachdem Manfred Moser im Juni überraschend als SPÖ-Spitzenkandidat für die Landtagswahl zurücktrat, wurde Niessl ebenso rasch zu dessen Nachfolger gekürt und übernahm im Herbst auch den Parteivorsitz.

Im nach dem Auffliegen des Kreditdebakels einsetzenden Landtagswahlkampf absolvierte der zu Beginn an Popularität hinter den Mitbewerbern zurückliegende SPÖ-Kandidat ein Marathonprogramm und konnte binnen weniger Monate seinen Bekanntheitsgrad von anfänglich 26 auf 94 Prozent steigern. Am 3. Dezember 2000 legte die SPÖ bei der Landtagswahl zu, bald darauf - am 28. Dezember - wurde Niessl zum Landeshauptmann gewählt und trat die Nachfolge von Karl Stix an.

Im Landtag schloss die SPÖ Arbeitsübereinkommen mit der ÖVP und den Grünen und Niessl propagierte das "freie Spiel der Kräfte", das die SPÖ über weite Strecken geschickt zu nutzen verstand. Das Verhältnis zum Regierungspartner ÖVP gestaltete sich dagegen während der ganzen folgenden Legislaturperiode alles andere als konfliktfrei.

Für Differenzen zwischen den Parteien sorgten vor allem die gescheiterten Versuche, die Bank Burgenland zu privatisieren. Nach dem Beschluss des Sanierungspakets für die Bank im Dezember 2004 durch die SPÖ gestaltete sich das Miteinander von Rot und Schwarz in der Regierung immer schwieriger, im Mai fixierten SPÖ, FPÖ und Grüne gemeinsam den 9. Oktober als vorverlegten Wahltermin.

Niessl ist seit 1975 mit seiner Frau Christine verheiratet und Vater eines Sohnes. Zu den Hobbys des SPÖ-Chefs zählt vor allem der Sport: Als Mittelfeldspieler und Libero jagte er in der Regionalliga dem runden Leder nach. Der geprüfte Fußballtrainer besitzt die A-Lizenz und könnte somit theoretisch auch seinen Lieblingsverein, die Austria, coachen.

Politisch matcht sich Niessl dagegen mit der ÖVP auf Landes- und Bundesebene, etwa in Fragen des ländlichen Raumes und der Sicherheit. Im ganz auf Niessl als "Teamchef" und sein "Team Burgenland" ausgerichteten Wahlkampf schwor der Landeshauptmann die SPÖ bescheiden auf Stimmenzuwächse und das 18. Mandat als Ziel ein, nun hat er die erwartete Absolute eingefahren. (apa)

9.10.2005 16:12