Samstag, 8. Oktober 2005

Erfolgs-Serie der SPÖ auch im Burgenland fortgesetzt: Niessl erobert absolute Mehrheit

  • Achtungserfolg für VP, FP-Debakel, Grüne stagnieren
    VORLÄUFIGES ENDERGEBNIS: SPÖ 52,2%, ÖVP 36,3%, FP 5,8%, Grüne 5,2%. Beteiligung rückläufig

Das Burgenland hat gewählt und der SPÖ den nächsten Triumph beschert: Landeshauptmann Hans Niessl kann in den nächsten fünf Jahren mit absoluter Mehrheit regieren. Bei der Landtagswahl haben die Sozialdemokraten nach dem vorläufigen Endergebnis 52,23 Prozent der Wählerstimmen und 19 der 36 Mandate erreicht. Die ÖVP hat ihren Stand gehalten und mit einem leichten Plus von 1,01 Prozentpunkten 36,34 Prozent erreicht. Die FPÖ ist halbiert, liegt aber weiter vor den Grünen.

Die 52,23 Prozent der SPÖ bedeuten ein Plus von 5,68 Prozentpunkten gegenüber der Wahl vom 3. Dezember 2000. An Mandaten hat die SPÖ zwei gewonnen, beide von der FPÖ. Die Sozialdemokraten haben damit nach 18 Jahren die absolute Mehrheit im kleinsten Bundesland zurück erobert. Niessl will jetzt trotz dieser Absoluten mit allen im Landtag vertretenen Parteien Gespräche führen, erster Ansprechpartner sei die ÖVP. Vereinbarungen würden mit jenen Parteien getroffen, mit denen man "das Beste für das Burgenland" erreichen könne.

Die ÖVP hat ihre 13 Sitze im Landtag gehalten. Die beiden größeren Parteien werden sich auch die burgenländische Sitze im Bundesrat weiterhin nach dem Verhältnis 2 SPÖ und 1 ÖVP aufteilen.

Die kleineren Parteien haben beide an Boden verloren, die FPÖ ist mit einem Minus von 6,87 Prozentpunkten und nunmehr 5,76 Prozent gar halbiert worden. Von ihren vier Sitzen im Landtag haben die Blauen zwei verloren.

Leicht abgebaut haben die Grünen, die hinter den Freiheitlichen auf Rang vier geblieben sind. Sie haben 5,2 Prozent erreicht, das entspricht einem Minus von 0,29 Prozentpunkten. Ihre zwei Sitze im Landtag haben die Grünen gehalten.

Wahlbeteiligung leicht gesunken
Bei der Burgenland-Wahl gab es zudem eine Premiere: Erstmals bei einer Landtagswahl durften bereits 16-Jährige wählen, die 16- bis 18-Jährigen stellten rund 6.000 der insgesamt 242.218 Wahlberechtigten. Die Wahlbeteiligung ist gegenüber dem Jahr 2000 dennoch leicht auf 80,91 Prozent gesunken.

Jubel bei SPÖ
Die Reaktionen auf das Ergebnis fielen zum Teil überraschend aus. SPÖ-Bundesvorsitzender Alfred Gusenbauer freute sich naturgemäß über den Erfolg, den Niessl eingefahren habe, obwohl ihm die Bundesregierung die Arbeit erschwert habe. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos machte - nicht zuletzt nach der steirischen Wende hin zur SPÖ bei der Landtagswahl vor einer Woche - einen für die SPÖ positiven bundespolitischen Trend aus.

Auch ÖVP zufrieden
Die ÖVP hat ihr Ziel einer Verhinderung der SPÖ-Absoluten nicht erreicht. Generalsekretär Reinhold Lopatka und Spitzenkandidat Franz Steindl freuten sich trotzdem. Immerhin habe man erstmals seit 1956 zulegen können. Das Thema Bank Burgenland hat nach 2000 bereits zum zweiten Mal nicht als Wahlhilfe getaugt. ÖVP-Landesgeschäftsführer Dietmar Halper blieb dennoch dabei: Man habe der Bevölkerung sagen müssen, dass der (letztlich geplatzte) Deal mit dem Industriellen Mirko Kovats "schlecht gewesen wäre".

FPÖ trotz herber Verluste nicht enttäuscht
Auch der freiheitliche Spitzenkandidat Johann Tschürtz und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache konnten dem Ergebnis ihrer Partei etwas Positives abgewinnen. Die FPÖ habe sich konsolidiert, sei dritte Kraft und gewinne wieder Vertrauen.

Grüne stagnieren
Den Grünen blieb wiederum nur Rang vier. Doch auch sie gaben sich zufrieden. Sie nahmen das Ergebnis des Jahres 2000 als Messlatte, und dieses "sensationelle Ergebnis" habe man "gut halten" können, so Bundessprecher Alexander Van der Bellen. Von einem Negativtrend will Van der Bellen trotz des zweiten Verlustes in Folge nicht sprechen, er hofft jetzt auf die Wiener Wahl in zwei Wochen. Spitzenkandidatin Grete Krojer will weiter Oppositionspolitik "wie bisher" machen und für ihre Partei Strukturen aufbauen.

(apa/red)

8.10.2005 22:09