Eingewöhnungsphase statt Beschränkung: Hochschülerschaft legt ihr Alternativmodell
- Zweisemestrige Eingewöhnungszeit für Uni-Neulinge
- SPÖ kritisiert Hast bei Umsetzung des EuGH-Urteils
Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ist nach wie vor gegen Zugangsbeschränkungen an der Universität. Die Studentenvertreter legten aber ein Alternativmodell vor, das den Studentenstrom in die einzelnen Fächer besser steuern soll und primär auf Information an den Schulen beruht sowie an den Unis eine zweisemestrige "Eingewöhnungsphase" vorsieht.
Die derzeitigen Aktivitäten des Bildungsministeriums auf EU-Ebene sieht die ÖH grundsätzlich positiv. Allerdings werde bis zu einem etwaigen neuen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sehr viel Zeit vergehen, meinte die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha (Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ). Es könne aber nicht sein, dass das Warten auf ein neues Verfahren als "vorgehaltene Karotte" diene und die Zugangsbeschränkungen auch in jenen Fächern, die nicht überlaufen sind, aufrecht bleiben: "Außer in Medizin ist der Ansturm ausgeblieben."
Zur Verstärkung der Beratung will die ÖH die derzeitige Maturantenberatung auf die elfte Schulstufe ausdehnen. Kurz vor der Matura käme die Beratung "definitiv zu spät". Außerdem sollten - ergänzend zu den Lehrern - zusätzlich ehemalige Schüler, die nun studieren, als Bildungsberater eingesetzt werden. Vorteil gegenüber Lehrern: Der Altersunterschied ist geringer, außerdem besteht kein Abhängigkeitsverhältnis. Die ÖH sei bereit, diese Berater auszubilden. Außerdem fordert die ÖH die Vorlage eines "Berichts zur Lage der Studienrichtungen", der die einzelnen Fächer nach dem Betreuungssystem, dem Betreuungsverhältnis, der Infrastruktur und anhand einer Studentenbewertung durchleuchtet.
An den Universitäten selbst soll es eine "zweisemestrige Eingewöhnungsphase" geben, die nicht durch Massen- Lehrveranstaltungen, sondern durch eine Einführung der Studienanfänger in Kleingruppen in den Uni-Betrieb gekennzeichnet ist. Erst im zweiten Semester soll es Lehrveranstaltungen mit prüfungsimmanentem Charakter geben, am Ende der Eingangsphase dürften nicht starre Studienplatzkontingente stehen.
Kritik von der SPÖ
Heftige Kritik hat einmal mehr SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal an der Universitäts-Politik der Bundesregierung geübt. Der "Skandal um das Inskriptionschaos" an der Medizin-Uni in Innsbruck gehe weiter, gleichzeitig sieht sich die SPÖ durch einen Artikel in den "Salzburger Nachrichten" in ihrer Ablehnung des neuen Uni-Gesetzes bestätigt. Demnach gab es "keine Notwendigkeit, die Zugangs-Beschränkungen so überfallsartig einzuführen", sagte Broukal bei einer Pressekonferenz in Wien.
Das Gesetz habe Vieles nicht geregelt, so Broukal, weil man darauf vertraut habe, dass die Universitäten "das schon irgendwie hinkriegen". Nun weigere man sich im Bildungsministerium zudem, diese Versäumnisse zu korrigieren. Die ÖVP habe damit ihr Ziel erreicht, ist der SP-Wissenschaftssprecher überzeugt. Die "Salzburger Nachrichten" beriefen sich in ihrer Ausgabe vom Freitag auf EU-Rechtsexperten, die das Chaos an den Unis als vermeidbar ansehen. Die Einführung der Zugangs-Beschränkungen sei voreilig geschehen, heißt es.
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) liefere eine "Unterperformance, die Österreich nicht verdient hat", kritisiert Broukal vehement. Auch ihre Aussage, dass die Universitäten noch nie über so viel Geld verfügt hätten wie heute, sei schlichtweg falsch. Zwar sei das Uni-Budget jährlich um 0,4 Prozent gesteigert worden, zitierte Broukal Finanzminister Karl-Heinz Grasser (parteifrei), die Studentenzahlen und damit die Anforderungen an die Universitäten seien aber viel stärker gestiegen. Auch Rektoren-Chef Christoph Badelt habe bestätigt, dass das Budget real gesunken sei.
Gehrer sei das "am wenigsten angesehene Mitglied dieser Bundesregierung", ätzte Broukal weiter. Das Bildungsministerium wasche seine Hände weiter in Unschuld, während in Innsbruck "ungeheuerliche Sachen" passierten. Eine junge Villacherin sei etwa abgelehnt worden, weil sie Postgutscheine im Wert von 50 Cent für den Retourbrief vergessen habe. Solche und ähnliche Reaktionen von Studenten und deren Eltern bekomme er ständig, meinte Broukal. (apa)
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