Die Sprengfalle - Prozess des Jahres: NEWS hat die Wahrheit über den "Waffen-Krimi"
- Ein Vorbestrafter manipulierte die Staatspolizei!
- DURCHKLICKEN: Psychogramm des Verdächtigen!
Wird er wütend sein - oder Gelassenheit mimen? Wird er schüchtern - oder selbstbewusst wirken? Oder wird er vielleicht sogar in Tränen ausbrechen? Selbst jene Fahnder, die Werner N. in den vergangenen Monaten stunden-, ja tagelang verhört haben, getrauen sich nicht, Prognosen darüber abzugeben, wie sich der Mordverdächtige bei seinem Prozess, der am 11. Oktober im Wiener Landesgericht beginnt, verhalten wird. "Weil er", wie ein Ermittler resümiert, "so viele Rollen beherrscht."
Wer ist dieser Mann, der - wie die Staatsanwaltschaft behauptet - eines der heimtückischsten Verbrechen der österreichischen Kriminalge-schichte begangen hat? Der, wie in der Anklageschrift nachzulesen ist, vor den Augen der Exekutive und der Medien einen "perfekten Mord" begehen wollte. Der einen vermeintlichen Waffenübergabe-Coup im September 2004 dazu nutzte, Petra M., 39, seine Geliebte und Sekretärin, mittels einer komplizierten Sprengfalle zu töten.
Der es schaffte, hochrangige Ermittler der Staatspolizei und einen ehemaligen NEWS-Journalisten wochenlang so zu manipulieren, dass er sein perfiden Plan in die Tat umsetzen konnte.
Eine ungewöhnliche Liebesbeziehung
Ein Frühjahrstag im Jahr 2000 wurde für Petra M., Mutter eines kleinen Mäd-chens, zum Schicksal. Weil sie, die "behütete Tochter aus wohlhabendem Haus", schon beim ersten Zusammentreffen dem Mann, der so anders war als sie selbst, verfiel. Und alles, was für sie bis dahin wichtig gewesen war, an Bedeutung verlor.
Sogar als Petra M. im Sommer 2003 eine neue Lebensgemeinschaft mit einem jungen Techniker einging, beendete sie die Beziehung zu ihrem verheirateten Freund nicht. Mehr noch: Im Mai 2004 machte die Frau Werner N. - auf sein Drängen hin - testamentarisch zum Erben ihres Hauses in Wolfsgraben (Wert: etwa 350.000 Euro) sowie zum alleinigen Nutznießer einer Ablebensversicherung (Auszahlungsbetrag: 300.000 Euro).
Fakt ist: Nur einen Monat nach Unterzeichnung der Dokumente begann Werner N. - so haben später Analysen an seinem Computer ergeben - im Internet nach Mordanleitungen zu suchen. Zunächst unter den Stichworten "tödliche Missgeschicke" und "getarnte Verbrechen".
Anruf bei NEWS
Am Dienstag, dem 7. September 2004, öffnete Werner N. den Vorhang seiner Bühne. Mit einem Anruf in der NEWS-Redaktion.
"Ich verfüge über enorme Mengen an Kriegsmaterial", teilte Werner N. dem damals noch für NEWS tätigen Reporter Andreas Zeppelzauer mit - und der Mann am anderen Ende der Leitung betonte weiters: "Ich will die Waffen den Behörden übergeben, traue mich aber nicht, selbst die Polizei zu kontaktieren."
Gleich nach Ende eines Termins alarmierte der Reporter das Bundeskriminalamt. Dort wurde er an Beamte des BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung), also an die Staatspolizei, verwiesen.
Waffenübergaben mit NEWS und der Polizei
Die Beamten glaubten dem so umgänglich scheinenden Mann. Der erste "Deal": 35 Handgranaten, 22 Kalaschnikows. Ohne Überprüfungsmaßnahmen einzuleiten, wurde ein Termin für eine Waffenübergabe festgelegt: Freitag, 10. September 2004, 7.30 Uhr, in Purkersdorf. Den genauen "Fundort" würde Werner N. jedoch erst knapp vor dem "Deal" telefonisch bekannt geben.
Nach Erscheinen des NEWS-Berichts über den Waffenfund kündigte Werner N. einen weiteren, "noch viel größeren Deal" an. Schließlich wüsste er ja über "noch viele andere Arsenale" Bescheid.
Andreas Zeppelzauer erhielt sie per Mail, am frühen Morgen des 20. September, am Tag des zweiten Waffenübergabetermins. Neben der Auflistung der Waffen, die er diesmal deponieren würde, hatte Werner N. nämlich in seiner Mail vermerkt: "Achtung: Bei zwei Granaten fehlen die Abzugsringe, die Splinte sind noch drinnen; bei zwei weiteren Granaten (in der grünen Box) fehlen auch die Splinte". Und: "Eine Mitarbeiterin wird mir beim Ausladen helfen."
Mord oder doch nur ein Unfall?
Ein Nebensatz, den sowohl Zeppelzauer als auch später die Fahnder überlasen.
"Daher", erinnert sich der Reporter, "waren wir alle völlig verwirrt, als wir um 9 Uhr morgens an jener Tankstelle an der Hüttelbergstraße, wo die Beamten und ich auf genauere Anweisungen warten sollten, von Herrn N. diesen schrecklichen Anruf bekamen: ,Meine Sekretärin hat's erwischt.'"
Aus einem "Unfall" wurde ein Mordverdacht. Bis zuletzt hatten der Reporter und die Ermittler ja geglaubt, Werner N. würde die Waffendeals im Alleingang durchführen.
Erst am Katastrophenort, einem Parkplatz an der Höhenstraße, beim Anblick von Petra M.s Leiche, wurde ihnen das Ausmaß der Tragödie bewusst.
Dann die Info der Polizei: Untersuchungen unserer Entschärfer zufolge dürfte die Frau Opfer eines Sprengfallen-attentats geworden sein."
Eine Vermutung, die Gerichtsgutachter Anton Eder mittlerweile mit umfangreichen Analysen belegt haben will.
Die Beweislast gegen Werner N. scheint erdrückend. Trotzdem wird Herbert Eichenseder, einer der renommiertesten Anwälte Österreichs - der dafür bekannt ist, noch nie für einen Klienten ein "Lebenslang" bekommen zu haben -, den Niederösterreicher vor Gericht vertreten.
Warum hat der Strafverteidiger - entgegen all seiner Gewohnheiten - einen so aussichtslos scheinenden Fall übernommen?
Eichenseder zu NEWS: "Viele Fragen in der Causa sind unbeantwortet. Und ich denke, dass manche Antworten für meinen Mandanten durchaus positiv ausfallen könnten."
Und Werner N.? "Die Rekonstruktionen", sagt er, "des Sprengstoffexperten sind falsch." Im Prozess will er jedenfalls Fehler im Gutachten auflisten. Schließlich sei er ausgebildeter Bundesheersprengmeister. Ein Umstand, der dem Staatsanwalt nur noch mehr Zündstoff gibt. Denn somit verfügt Werner N. über das nötige Know-how, eine Sprengfalle zu basteln ...
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