Donnerstag, 6. Oktober 2005

Aufregung um Schweizer Atommüll-Lager: Österreich spricht in Standort-Frage mit

  • Einbeziehung in Verfahren ist gesetzlich geregelt
  • Schweiz verhält sich Umweltministerium kooperativ

Die Einbeziehung Österreichs in das Verfahren um das diskutierte atomare Endlager in Benken im Zürcher Weinland - rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt - ist gesetzlich geregelt. Das berichtete ORF Radio Vorarlberg unter Berufung auf den Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger, der bei einem Umwelt-Ministertreffen in Liechtenstein weilte. Werner Wutscher vom österreichischen Umwelt-Ministeriums erklärte, dass sich die Schweiz sehr kooperativ verhalte.

"Die Stellung einer Partei heißt nicht, dass man zu hundert Prozent ihre Wünsche übernimmt, sondern dass sie ein Anrecht darauf hat, ihre Haltung zu bringen und auch ein Anrecht darauf, dass sie ermessensgerecht berücksichtigt wird", stellte der Schweizer Minister fest. Für die Lagerung des radioaktiven Abfalls müsse unabhängig vom künftigen Atomenergie-Kurs der Schweiz eine Lösung gefunden werden.

Werner Wutscher, der Umwelt-Minister Josef Pröll (V) in der liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz vertrat, meinte laut ORF, dass es für Widerstand aus Österreich noch zu früh sei. Die Fach-Debatte über Benken habe erst begonnen, außerdem prüfe die Schweiz alternative Standorte.

In der Schweiz wurde 1972 die NAGRA (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) gegründet. Seither wird in der Schweiz nach geeigneten Endlagerungsmöglichkeiten für Atommüll gesucht. Am 1. Februar 2005 traten das Schweizer Kernenergiegesetz und die entsprechende Verordnung in Kraft. Demnach dürfen ab Mitte 2006 keine abgebrannten Brennstäbe mehr in das französische La Hague und das englische Sellafield exportiert werden. Atommüll muss grundsätzlich im Inland entsorgt werden.

Am 12. September 2005 kam die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) zu dem Schluss, dass der Entsorgungsnachweis für ein Atomendlager im Zürcher Weinland erbracht sei. Geplant ist ein Tiefenlager für abgebrannte Brennelemente, hochradioaktive und langlebige mittelaktive Abfälle. Das öffentliche Auflageverfahren begann. Eine definitive Entscheidung, ob das Atommüll-Lager in Benken gebaut wird, dürfte nach Einschätzung der NAGRA nicht vor 2015 fallen; die Inbetriebnahme könnte im Jahr 2040 erfolgen. (apa/red)

6.10.2005 09:52