Dienstag, 4. Oktober 2005

Mann in Linzer Schubhaft verstorben: Tod durch "Verkettung unglücklicher Umstände"

  • Opfer litt an einer Anomalie im Blutfarbstoff

Eine "Verkettung unglücklicher Umstände" dürfte laut Staatsanwaltschaft zum Tod des Linzer Schubhäftlings geführt haben. Der Verstorbene habe an einer vererbten Anomalie im Blutfarbstoff gelitten, die im Zusammenwirken mit Flüssigkeits- und Kalorienmangel eine Verklumpung des Bluts und schließlich ein Herz-Kreislauf- Versagen verursacht habe, sagte Dietmar Gutmayer von der Staatsanwaltschaft Linz.

Weder die so genannte Sichelzellen-Anämie für sich allein noch ein Hungerstreik mit unzureichender Flüssigkeitszufuhr wäre tödlich gewesen, berief sich Gutmayer auf das vorerst mündlich übermittelte Ergebnis der Obduktion. Der Schubhäftling dürfte bereits vor dem 28. September, als er offiziell in den Hungerstreik trat, sehr wenig Nahrung zu sich genommen haben.

Es würden nun noch Beamte, Amtsärzte und Mitarbeiter des "Vereins Menschenrechte Österreich", die den Mann betreut haben, befragt, erklärte Gutmayer. Zudem müsse geklärt werden, ob der Schubhäftling von einer Untersuchung im AKH Linz zu Recht ins Polizeianhaltezentrum zurückgebracht worden sei.

Nach dem Tod des Schubhäftlings erhebt die "Plattform Zivilcourage", ein Zusammenschluss mehrerer Vereine, schwere Vorwürfe. Es gebe Hinweise darauf, dass zwei der vier Sicherungszellen mit einem speziellen Heizsystem ausgestattet seien, um eine Raumtemperatur von bis zu 45 Grad Celsius zu erreichen, so Plattform-Sprecherin Gigl.

Diese Angaben wurden von einem Linzer Arzt bestätigt. Dieser sei vor zwei Jahren wegen gefährlicher Drohung verhaftet und nach eigenen Angaben in eine "völlig überhitzte Zelle" gesperrt worden. Der Mediziner habe damals Anzeige erstattet, das Verfahren sei aber aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Die Polizei spricht von "völlig haltlosen Unterstellungen".
(apa)

4.10.2005 18:03