Dienstag, 27. September 2005

Streit über töchterlose Bundeshymne: Für Rauch-Kallat ist "die Zeit reif" für Änderung!

  • Keine Volksbefragung: Kostet laut Ministerin zu viel
    "Schwachsinn": Haider strikt gegen Neutextierung
  • Urheberrecht: Zahlreiche Hürden für neue Entwürfe
    MEINUNG POSTEN: Was halten Sie vom neuen Text?

Die Frauenminister legt im Streit über die töchterlose Bundeshymne nach: Für Frauenministerin Maria Rauch-Kallat ist "die Zeit für eine kleine, schlichte Änderung" des Textes der Bundeshymne in Richtung Gleichberechtigung "reif". In einem Interview tritt Rauch-Kallat auch der Forderung von Sozialministerin Ursula Haubner (B) nach einer Volksbefragung über eine frauengerechte Bundeshymne entgegen: "Das kostet zu viel Geld."

Auf den Vorwurf seitens des BZÖ, eine Änderung der Hymne wäre "Schwachsinn", angesprochen, sagte die Ministerin im "Kurier": "Den Vorwurf des Schwachsinns hat jeder zu bewerten, wie er möchte. Ich werde mich dadurch nicht beirren lassen". An der Musik werde nichts geändert und beim Text gebe es einen legitimen Erben. "Das ist Fritz Molden und mit dem habe ich vorher gesprochen. Der Vorwurf des Verlags geht ins Leere".

Was einen Wettbewerb für eine neue Hymne betrifft, sagte Rauch-Kallat, es habe einen offenen Wettbewerb 1947 gegeben, "die Resultate waren indiskutabel. Daraufhin wurde unter österreichischen Dichtern eine Art beschränkte Ausschreibung durchgeführt. Ich habe nicht vor, das auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben. Die Zeit für eine kleine, schlichte Änderung müsste reif sein".

Zum Wunsch von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), bis zum Nationalfeiertag eine Lösung vorzulegen, sagte Rauch-Kallat, es sei "zu früh, einen Zeitrahmen zu nennen. Ich werde mir keinen Zeitdruck machen".

Haubner für Volksbefragung
Haubner spricht sich für eine Einbindung der Bevölkerung aus, etwa in Form einer Volksbefragung. Die Ministerin äußerte nämlich Zweifel, ob eine Änderung des Textes von den Österreichern auch gewünscht wird. Das "Hauptproblem der Republik" sei dies jedenfalls nicht, so die Sozialministerin.

Die Hymne sei ein Teil der Identität der Bevölkerung und diese solle daher in die Diskussion eingebunden werden. "Man sollte die Frauen fragen, ob sie sich wirklich diskriminiert fühlen", meinte Haubner. Die Ministerin verwies auf Umfragen in den Medien, die belegen sollen, dass eine Neutextierung der Hymne von einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt wird. Haubner zeigte sich gleichzeitig aber auch diskussionsbereit: "Man kann natürlich darüber diskutieren."

Haiders Version: "Heimat bist du fremder Söhne"
Für BZÖ-Chef Jörg Haider ist die Neutextierung "Schwachsinn". "Da müssten wir dann ja alle Lieder und Hymnen umschreiben", machte Haider geltend. Weiters äußerte er den Verdacht, dass Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat mit ihrem Vorstoß "vom Debakel um die E-Card ablenken möchte".

Außerdem würden die Menschen "jetzt glauben, dass die Regierung keine anderen Probleme hat", gab Haider zu bedenken. Vor allem im Hinblick auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit sei aber das Gegenteil der Fall. Der BZÖ-Chef erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass rund doppelt so viele Ausländer arbeitslos seien wie Inländer. Wenn es also weiterhin eine derart große Zuwanderung geben sollte, müsste man laut Haider die Bundeshymne wirklich umtexten und künftig singen: "Heimat bist du fremder Söhne."

Opposition: Brennendere Fragen zu klären
Die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, findet die Diskussion um einen neuen Text für die Bundeshymne "zu emotional". Grundsätzlich findet Glawischnig nichts dabei, wenn in der Hymne nun auch die großen Töchter entsprechend gewürdigt würden. Die Grünen sängen sie ohnehin schon seit Jahren in dieser Form.

Als einzige frauenpolitische Initiative wäre eine Änderung des Hymnen-Textes freilich zu wenig, betonte Glawischnig. Der Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit sei ein ernsteres Problem - und hier seien von Rauch-Kallat keinerlei Vorschläge gekommen.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures wünscht sich von Frauenministerin Rauch-Kallat "das gleiche Engagement auch für die wirklich brennenden Lebensfragen und Alltagsprobleme" von Frauen. Bures hält es für "bezeichnend für die Regierung Schüssel", dass sie an dem Tag, an dem das Wirtschaftsforschungsinstitut wegen der steigenden Lohnunterschiede Alarm schlägt."

Rechtliche Probleme verhindern Textänderung
Laut Ulrich Schulenburg vom Sessler-Verlag, der die Verleger-Rechte besitzt, müssten er und drei weitere Parteien um Erlaubnis gebeten werden, bevor eine Änderung der Hymne gerechtfertigt sei.

Es geht dabei vor allem um die Rechte der Erben der Textdichterin Paula von Preradovic sowie jene des Komponisten Kehldorfer, der die Melodie nach Mozart-Motiven erarbeitet hat. Weiters soll die Zustimmung der Erben des für die Orchesterfassung verantwortlichen Max Schönherr eingeholt werden.

Schulenburg glaubt, dass alle Beteiligten bereit sind zu einem Ergebnis zu kommen. Sollte der Text, und damit auch der Rhythmus, verändert werden, erwartet er eine Anfrage von Seiten der Regierung. (apa/red)

27.9.2005 07:27