Mittwoch, 28. September 2005

Rebell und Kultfigur: Vor 50 Jahren starb der Hollywood-Jungstar James Dean!

  • Ein Autounfall kostete dem 24-jährigen das Leben
  • Bogart: "Starb gerade zum richtigen Zeitpunkt"

Vielleicht gäbe es heute Dutzende von Filmen mit Leinwandidol James Dean, wenn Donald Turnupseed in Kalifornien auf einer einsamen Landstraße nicht den Vorrang missachtet hätte. Doch es gibt nur drei Filme - denn am 30. September 1955 stieß Thurnupseeds schwerer Ford an einer Kreuzung mit dem "Little Bastard" von James Dean zusammen. So hatte der Hollywoodstar und begeisterte Rennfahrer seinen nagelneuen Porsche 550 Spyder genannt. Der 24-Jährige war auf dem Weg zu einem Autorennen in Salinas. Der muss uns doch sehen und anhalten, soll Dean noch seinem Beifahrer Rolf Wütherich, einem deutschen Porsche-Mechaniker, kurz vor dem Aufprall zugerufen haben. Doch Dean war auf der Stelle tot, Genickbruch. Wütherich und der 23-jährige Student Turnupseed überlebten.

Hätte sich der heute 74-Jährige wie Marlon Brando vor der Welt verkrochen, oder stünde er wie Paul Newman immer noch vor der Kamera? Wie die beiden Stars seiner Generation lernte Dean sein Handwerk in dem legendären New Yorker Actors Studio. Als er starb, lief sein erster Film erst wenige Monate im Kino. Elia Kazans Steinbeck-Verfilmung "Jenseits von Eden" machte Dean über Nacht berühmt. Er spielte Cal, den unverstandenen von zwei Söhnen, der um die Liebe seines strengen Vaters ringt. Die Kritiker schwärmten von einem "neuen Brando". Dem "amerikanischen Farmerjungen mit den Augen eines verletzten Tieres und der unschuldigen Anmut eines gefangenen Panters" wurde eine ungeheure körperliche Präsenz auf der Leinwand zugeschrieben.

Die texanische Saga "Giganten" - mit Liz Taylor und Rock Hudson - hatte Dean nur eine Woche vor der Todesfahrt abgedreht. Mit "Denn sie wissen nicht, was sie tun" (Rebel without a Cause) kam sein zweiter Film einen Monat nach seinem Begräbnis in die Kinos. In der Rolle des frustrierten Teenagers Jim Stark begehrte er gegen die spießigen Eltern auf und wurde so als toter Star zu Hollywoods gefeiertem Rebellen.

Mit den glatt rasierten Charmeuren und männlichen Helden der 40er Jahre hatte Dean nichts gemein. Der flegelhafte Lümmel mit der hochgebürsteten Friseur spielte auch Off-Screen den Rebellen. Zu Dreharbeiten und Interviews kam er chronisch zu spät. Er hatte schlechte Manieren und ließ seinen trotzigen Launen freien Lauf. Doch mit verführerischem Genie zog er fast alle in seinen Bann. Elia Kazan, der zuvor schon Marlon Brando mit "Die Faust im Nacken" zum Star machte, wollte für "Jenseits von Eden" niemand anderen als den unerfahrenen Schauspielschüler Dean, den er als "vorsichtig, störrisch, misstrauisch und voller unterdrückter Gefühle" beschrieb. Hollywoodstar Liz Taylor räumte ein, dass sie sich für Dean sogar scheiden lassen würde.

Verborgene Homosexualität
Die dicken Brillengläser, die der stark kurzsichtige Dean selten ablegte, konnten seinem Ruf als Herzensbrecher nichts anhaben. Der stets schüchtern wirkende Star ging mit Schönheiten wie Ursula Andress und Pier Angeli aus, ohne sich je festzulegen. Seine Homosexualität lebt er im Verborgenen aus und folgte damit Hollywoods Sittenregeln. Doch in seinem Bett landeten viele Männer, führt der Autor Bertrand Meyer-Stabley in seiner gerade erschienenen "James Dean"-Biografie aus.

Deans Zerrissenheit wird häufig auf seine schwierige Kindheit zurückgeführt. Die Mutter, die den einzigen Sohn nach ihrem Lieblingsdichter James Byron Dean nannte, starb an Krebs, als James neun Jahre alt war. Der Vater schickte das Kind zu Verwandten nach Indiana in den Mittleren Westen, wo Dean auf einer Farm aufwuchs. Schon als 16-Jähriger schrieb er in einem Schulaufsatz, dass seine Liebe der Kunst, dem Theater und Motorrädern galt.

"Starb gerade zum richtigen Zeitpunkt"
Dass er Regisseur werden wollte, soll Dean kurz vor seinem Tod seiner Agentin offenbart haben. Er wollte unbedingt sein Lieblingsbuch "Der kleine Prinz" in eigener Regie verfilmen. Einen Vorgeschmack auf den alten Dean lieferte er schon mit 24 Jahren, als ihn die Maskenbildner in "Giganten" in den grauhaarigen Öl-Magnaten Jett Rink verwandelten Vielleicht hatte Humphrey Bogart mit seinem schwarzen Humor Recht, dass Dean "gerade zum richtigen Zeitpunkt starb". Hätte er länger gelebt, wäre er nie seinem Ruf als Legende gerecht geworden, sinnierte Bogart.

Dass Hollywood seinen Rebellen noch nachträglich mit einem Oscar ehrt, dafür will der japanische Geschäftsmann Seita Ohnishi nun mit einer "Oscar for Jimmy"-Kampagne sorgen. Für "Eden" und "Giganten" wurde Dean mit Nominierungen als bester Hauptdarsteller belohnt. Dean-Fan Ohnishi hatte schon vor über 20 Jahren ein glänzendes Stahldenkmal gestiftet, nahe der Stelle, wo Jimmy vor 50 Jahren in den Tod raste.

(apa)

28.9.2005 12:20

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