Gewerkschaft stellt Schlecker an Pranger: Arbeitsbedingungen sind oft "unzumutbar"
- GPA besuchte 1.200 Filialen in ganz Österreich
- Katzian: "Probleme scheinen System zu haben"
Der Drogerie-Diskonter Schlecker steht erneut wegen seiner Arbeitsbedingungen am Pranger. Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) machte daher in einer bisher einzigartigen Aktion auf den teilweise "unzumutbaren" Umgang mit den Schlecker-Mitarbeitern aufmerksam. In ganz Österreich wurden 1.200 Filialen besucht, um die Beschäftigten über ihre Rechte zu informieren.
Die Arbeitsbedingungen bei Schlecker stellen sich "besonders problematisch" dar, sagte GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Immer wieder würden Beschwerden an die GPA herangetragen. Die Schlecker-Mitarbeiter klagen etwa über unbezahlte Arbeitsleistungen, fehlende Anrechnung von Vordienstzeiten, kurzfristige und einseitige Änderungen der Arbeitszeit oder auch rechtswidrige Personalkontrollen. "Auch dem Fiskus entgehen dadurch 450.000 Euro im Jahr", so Katzian.
Unzulässige Arbeitsbedingungen seien aber nicht auf die Drogerie-Kette Schlecker beschränkt, sondern ein Problem, das sich in weiten Teilen des heimischen Handels wieder findet, so Manfred Wolf, bei der GPA für den Bereich Handel zuständig. Der Handel in Österreich erspare sich 1 Mrd. Euro pro Jahr durch nicht abgegoltene Arbeitszeiten. "Niemand hat bis heute dieser Zahl widersprochen - das sagt alles", so Wolf.
Bei Schlecker in Österreich sind 4.079 Mitarbeiter beschäftigt, überwiegend in einem Teilzeitverhältnis. Umgerechnet auf Vollzeit seien dies eineinhalb Mitarbeiter pro Filiale, bringt Wolf das Problem auf den Punkt. Die Angst im Handel sei aber groß, "und Angst verleitet zum Schweigen", hieß es. Daher werde nicht alles geltend gemacht, was den Beschäftigten eigentlich zustünde. Mit zunehmenden Wettbewerb steige der Druck noch weiter.
Maria Körner, eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin, berichtete aus ihrem Berufsalltag: Sie sei bei Schlecker meist allein, oft bis zu zehn Stunden in der Filiale gestanden und damit einem hohen Sicherheitsrisiko ausgesetzt gewesen. Trotz eines Arbeitsunfalles, bei dem ihr eine erzürnte Kundin mit dem Bleistift ins Auge gestochen habe, sei sie drei Stunden lang nicht abgelöst worden. Es herrsche ein striktes Handyverbot, über das Festnetz sei man nicht erreichbar und könnten nur bestimmte Stellen angerufen werden, berichtete Körner.
"Die uns bekannten Fälle dürften keine Einzelerscheinungen sein, sondern scheinen System zu haben", erklärte Katzian. Dennoch habe es die Schlecker-Geschäftsführung bis dato verweigert, gemeinsam mit der GPA an einer Lösung zu arbeiten. Sollte die Schlecker GmbH die "massiven Probleme" weiterhin länger ignorieren, "wird die GPA weitere Aktionen starten".
Die Art und Weise, wie die Task Force bei Billa/Rewe gearbeitet habe, könnte nach Ansicht Katzians ein Modell für diesen Fall von Verstößen gegen das Arbeitsrecht sein. Eine andere Variante wäre die im Kollektivvertrag vorgesehene paritätisch besetzte Schlichtungsstelle. In drei Wochen sollte es einen ersten Zwischenbericht über die Probleme bei Schlecker geben, so Wolf.
Zu den jüngst in Deutschland bekannt gewordenen arbeitsrechtlichen Problemen beim Diskonter Lidl sagte Katzian, dass sich die Gewerkschaften - einschließlich der GPA - nun auf europäischer Ebene überlegen, wie gegen Lidl weiter vorgegangen werde. Aus Österreich seien "noch keine so konkreten Erfahrungen" bekannt, räumte Wolf ein. Kreisen zufolge laufen aber auch bei Lidl in Österreich bereits die Untersuchungen. (apa)
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