Österreich nicht mehr wettbewerbsfähig? In
internationaler Studie nur auf dem 21. Platz!
- Weiter abgerutscht: Im letzten Jahr noch auf Rang 17
- Firmenchefs klagen über Arbeitsgesetze & Bürokratie
·Österreich: Heuer neuer Pleitenrekord?
Alle 17 Minuten geht ein Unternehmen in Konkurs
Keine guten Nachrichten für den österreichischen Wirtschaftsstandort: Die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich ist laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (Global Competitiveness Report 2005-2006) gesunken. Von Platz 17 im Vorjahr ist Österreich heuer auf Platz 21 von 117 untersuchten Ländern abgerutscht, heißt es in der Untersuchung des World Economic Forum (WEF). An der Spitze hat sich hingegen nichts verändert: "Wettbewerbs-Weltmeister" ist heuer wieder Finnland vor den USA und Schweden.
Finnland besitzt laut Studie weiterhin die weltweit wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft und führt die Rangliste im dritten Jahr in Folge an. Auf Platz 2 liegen die USA, gefolgt von Schweden, Dänemark, Taiwan und Singapur, Island und der Schweiz. Deutschland hat sich um zwei Plätze von 13 auf 15 verschlechtert, Italien liegt unverändert zum Vorjahr auf Rang 47.
Überholt wurde Österreich im Wettbewerbs-Ranking von Neuseeland (16) und Südkorea (17), auch Estland liegt mit Platz 20 weiter vorne auf der Rangliste. Hinter Österreich finden sich etwa Spanien (29) und Frankreich (30).
Bei verschiedenen Einzelwertungen im Bereich des "Growth Competitiveness Index" belegt Österreich die relativ besten Ränge im Bereich des nationalen Wirtschaftsumfeldes und im Kampf gegen Korruption (jeweils 9. Platz). Schlechter schneidet Österreich allerdings bei der Kategorie "Verschwendung durch die Regierung" (Platz 22) sowie bei der makroökonomischen Stabilität (Platz 38) ab. Beim "Business Competitive Index", in den eine Reihe unternehmensspezifischer Faktoren der Effizienz- und Produktivitätssteigerung einberechnet wurden, liegt Österreich am 10. Platz.
"Restriktive Arbeitsgesetze" und "staatliche Bürokratie"
Von den in Österreich befragten Firmenchefs und Managern wurden als größte Hindernisse die "restriktiven Arbeitsgesetze" genannt, gefolgt von der "ineffizienten staatlichen Bürokratie", den Steuersätzen und der Steuergesetzgebung. Weiters klagten die Unternehmensleiter über schlecht ausgebildete Arbeitnehmer und mangelnden Zugang zu Finanzmöglichkeiten. Kaum ein Problem für österreichische Unternehmen sind demnach Korruption und Angst vor Regierungsinstabilität.
Die Rangliste basiert sowohl auf Wirtschaftsdaten als auch auf einer Umfrage. So werden "harte" Fakten kombiniert mit den Ergebnissen einer Meinungsumfrage bei Unternehmensführern. Heuer wurden fast 11.000 Wirtschaftsmanager in 117 Ländern befragt.
Das World Economic Forum erstellt den Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit (Global Competitiveness Report) seit 26 Jahren. Der Bericht solle einen Beitrag zur Verbesserung des Verständnisses für die Determinanten von Wirtschaftswachstum und Wohlstand liefern, so Klaus Schwab, Gründer und Executive Chairman des World Economic Forum. Erstmals untersucht wurden heuer unter anderem Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Benin, Kambodscha, Kasachstan, Katar, Kuwait, Moldawien, die Mongolei, Ost-Timor und Tadschikistan.
Skandinavier trotz hoher Steuern Spitze
Die skandinavischen Länder nehmen im Wettbewerbsvergleich des Weltwirtschaftsforums die Spitzenplätze ein: Finnland (1), Schweden (3), Dänemark (4), Island (7) und Norwegen (9) gehören zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften.
Die Platzierungen der nordeuropäischen Länder stellten auch die herkömmliche Ansicht in Frage, dass hohe Steuern und ein dichtes Sozialnetz die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes untergraben. Wichtiger scheine vielmehr zu sein, wie effizient die Staatseinnahmen eingesetzt werden und nicht, wie hoch die Gesamtsteuerbelastung an sich ist, so das Weltwirtschaftsforum.
In Asien Taiwan und Singapur top
Führende asiatische Länder sind Taiwan und Singapur auf den Plätzen 5 und 6, in einigem Abstand gefolgt von Japan auf Platz 12. Im Vergleich zu den anderen Tigerstaaten fiel Hongkong gegenüber dem Vorjahr um sieben Plätze zurück und belegt derzeit Rang 28. Auch in Bezug auf illegale Zahlungen (Korruption) ist Hongkong gegenüber seiner früheren ausgezeichneten Bewertung deutlich abgerutscht.
China (49) und Indien (50) liegen viel näher beieinander als in früheren Jahren. Während China um drei Plätze zurückfiel, verbesserte sich Indien um fünf Plätze. Beide Länder verzeichneten in den vergangenen Jahren ausgezeichnete Wachstumsraten, leiden jedoch unter institutionellen Schwächen, die - wenn sie nicht in Angriff genommen werden - ihren Aufstieg in die Topriege der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt voraussichtlich bremsen werden.
Wie schon in früheren Jahren ist Chile (23) mit weitem Abstand das lateinamerikanische Land mit der besten Platzierung. Der Abstand zum nächstplatzierten Land Lateinamerikas hat sich 2005 gegenüber dem Vorjahr von 26 auf 31 Plätze vergrößert,
Während die meisten Länder in der Region südlich der Sahara eine geringere Wettbewerbsfähigkeit aufweisen, finden sich dort auch eine Reihe von Erfolgsstories, etwa Südafrika (42), Botswana (48), Mauritius (52) und Ghana (59). Schlusslicht ist Simbabwe: Der rapide Abstieg ans Ende der globalen Wettbewerbsfähigkeitsrangliste sei das Ergebnis der kontinuierlichen Verschlechterung des institutionellen Umfelds, einschließlich der Abschaffung von Eigentumsrechten, der Erosion der Rechtsstaatlichkeit. Das Land liegt nun auf dem letzten Platz (117) aller untersuchten Staaten. (apa/red)
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