Montag, 26. September 2005

IWF und Weltbank stimmen Schuldenerlass zu: Staaten verzichten auf 33 Milliarden Euro

  • Vorstoß der G-8-Staaten damit von Erfolg gekrönt
  • G-7 sind gegen einen weiteren Anstieg der Ölpreise

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen 40 Milliarden Dollar (33,0 Mrd. Euro) an Forderungen abschreiben und so den ärmsten Entwicklungsländern neue Investitionen in Bildung und Gesundheit ermöglichen. Die Lenkungsausschüsse der beiden Weltfinanzorganisationen stimmten am Wochenende in Washington einem entsprechenden Vorstoß der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) zu. Die Beschlüsse müssen noch vom Exekutivdirektorium des IWF sowie von der Weltbank gebilligt werden.

"Der Weg zu einem vollständigen Schuldenerlass ist jetzt geebnet", sagte Weltbankpräsident Paul Wolfowitz am Sonntag zum Abschluss der Herbsttagung von IWF und Weltbank. US-Finanzminister John Snow sprach von einem historischen Meilenstein. Die finanzielle Handlungsfähigkeit von IWF und Weltbank bleibe trotz des Schuldenerlasses in vollem Umfang erhalten. Die meisten der 18 begünstigten Länder liegen in Afrika. Das Programm ist offen für bis zu 20 weitere Staaten, sofern diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dann würde die Gesamtsumme auf 55 Milliarden Dollar steigen.

Hilfsorganisationen zufrieden mit Schuldenerlass
"Wir erleben einen echten Durchbruch bei der Abschreibung von Schulden seitens des IWF", sagte Max Lawson von der Hilfsorganisation Oxfam. "Jetzt ist die Bühne für die Anteilseigner der Weltbank bereitet, ihren Teil beizutragen." Der britische Schatzkanzler und Vorsitzender des IWF-Lenkungssausschusses, Gordon Brown, äußerte die Erwartung, dass die Zustimmung des Exekutivdirektoriums des Währungsfonds sowie der Weltbank innerhalb einer Woche erfolgen werde.

Zum Auftakt der Washingtoner Herbsttagung von IWF und Weltbank kamen traditionsgemäß die Finanzminister und Notenbankpräsidenten der sieben führenden Industriestaaten (G-7) zusammen. Dabei erklärten sie ihre Absicht, einen weiteren Anstieg der Energiepreise nach Möglichkeit zu verhindern. Steigende Energiekosten seien eine große Gefahr für die Weltwirtschaft, hieß es in der Abschlusserklärung.

Die Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA riefen die Erdöl exportierenden Länder und die Erdölkonzerne dazu auf, Investitionen zur Erhöhung der Ölfördermenge zu tätigen, um künftige Lieferengpässe zu vermeiden. Neben der Angebotsseite wurde aber auch die Nachfrage kritisch in den Blick genommen - die Siebenergruppe forderte alle Regierungen auf, die Forschung zu alternativen und umweltschonenden Energiequellen zu verstärken. Die deutsche Delegation wurde von Finanzstaatssekretär Cajo Koch-Weser geleitet.
(apa)

26.9.2005 07:34