Sonntag, 2. Oktober 2005

Schwere Entscheidung: Für Hickersberger haben Rapid und Nationalteam ihren Reiz!

  • Erfolgs-Trainer zeigt sich mit Situation unzufrieden
  • Ex-ÖFB-Chef Mauhart übte scharfe Kritik an Stickler

Rapid-Trainer Josef Hickersberger hat in einem Interview seine Unzufriedenheit über die derzeitige Situation um seine berufliche Situation durchblicken lassen. Nach dem am Montag geäußerten Wunsch des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) und der Bundesliga, ihn als neuen Teamchef einzusetzen, sitzt er sozusagen zwischen zwei sehr komfortablen Stühlen.

Hickersberger meinte freilich, dass er von dem ÖFB-Angebot zu diesem Zeitpunkt überfahren worden sei. Die Aufgabe, das Nationalteam zum zweiten Mal als Teamchef zu betreuen, reize ihn allerdings schon. Besonders freue ihn, dass die Rapid-Fans in dieser Situation ihre Sympathie für den Trainer deklarieren. "Ich habe als Rapid-Trainer immer das Gegenteil befürchtet", sagte Hickersberger.

Der Amstettner meinte, dass man die Situation von zwei Seiten betrachten könne: "Auf der einen Seite ist die EM als Mitveranstalter eine unglaublich herausfordernde Aufgabe. Es ist auch eine große Herausforderung für mich und auch darum, diese ewige Unzufriedenheit in mir selbst mit dieser Niederlage gegen die Färöer zu bewältigen. Auf der anderen Seite bin ich im Dilemma, weil ich beim populärsten und besten Verein Österreichs unter Vertrag bin, und da geht man nicht so gern weg."

Noch gibt es keine Verhandlungen zwischen Hickersberger und dem Verband. "Es gibt noch nicht einmal einen Gesprächstermin", erklärte Hickersberger. Es gehe bei den Verhandlungen aber nicht nur um finanzielle Dinge. "Jeder weiß, dass wir der Nationalmannschaft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen." Und da meinte er auch terminliche Dinge, mehr Zeit für den Aufbau in Richtung EM 2008.

Mauhart-Kritik an Stickler
Beppo Mauhart, ehemaliger ÖFB-Präsident bzw. Vorgänger vom amtierenden Präsidenten Friedrich Stickler, zeigte sich indes mit der Vorgangsweise des ÖFB in diesem Fall nicht einverstanden. "Mich irritiert vor allem der Zeitpunkt, wann das publik gemacht wurde, das schadet vor allem dem Ansehen des ÖFB. Als ÖFB-Präsident wäre ich nicht zur Liga-Sitzung nach Oberwaltersdorf gefahren", übte Mauhart indirekt Kritik an Stickler.

Den sofortigen Abschied von Hans Krankl als ÖFB-Teamchef versteht der 72-Jährige. "Unter diesen Umständen kann er seinen Vertrag nicht zu Ende führen. Es wäre für alle Beteiligten gut, die Diskussion rasch zu beenden. Die Doppelbelastung für Rapid ist ohnehin schon enorm, die Diskussion ist eine zusätzliche. Es wäre auch fair gegenüber dem ÖFB-Präsidenten und den Interimsbetreuern."

Rekord-Teamspieler Andreas Herzog als ein Drittel dieses Trios hält sich aus der aktuellen Diskussion heraus. "Wir haben die Mannschaft so auf das Spielfeld zu bringen, dass sie gegen England und Nordirland eine gute Leistung bringen. Alles andere hat uns nicht zu interessieren", sagte de 37-Jährige. (apa)

2.10.2005 19:48