Mittwoch, 28. September 2005

Stronach: "Es hat keinen mehr gegeben, der sich für den Hans stark gemacht hätte"

  • Der Liga-Boss über die Demontage von Krankl
  • PLUS: Warum er an Josef Hickersberger glaubt

Als die Klubpräsidenten am vergangenen Montagmittag im Fontana Park in Oberwaltersdorf vorfuhren, war die Entscheidung längst getroffen. ÖFB-Boss Friedrich Stickler und Bundesligapräsident Frank Stronach hatten sich zuvor bei einem gemeinsamen Frühstück verständigt. Die Abstimmung in der darauf folgenden Präsidentenkonferenz geriet zur Formsache, das Ende von Hans Krankl als Teamchef war besiegelt, und Rapid-Meistertrainer Josef Hickersberger, 57, als Nachfolger offiziell bestimmt. Im NEWS-Interview spricht Liga-Boss Stronach über Krankls Demontage, Versäumnisse in der Nachwuchsarbeit und warum Hickersberger der bessere Teamchef ist.

NEWS: Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Teamchef- Entscheidung?
Stronach: Ich bin über die Entscheidung sehr glücklich. Obwohl ich sagen möchte, dass ich mich bei der Abstimmung neutral verhalten habe. Nachdem Josef Hickersberger als Trainer für Rapid ganz wichtig ist, will ich mir nicht nachsagen lassen, dass ich als Austrianer dazu beigetragen hab, dass er seinen Klub verlässt. Ich hab nur das Prozedere geführt. Es wurden durchaus gute Namen vorgeschlagen.Von Kurt Jara, Walter Schachner bis Osim und Zellhofer. Schachner und Hickersberger haben die meisten Stimmen bekommen, alle anderen sind fast leer ausgegangen.

NEWS: Noch fehlt das endgültige Ja von Hickersberger. Könnte da sogar noch etwas anbrennen?
Stronach: Nein, nein. Das ist beschlossen. Der Friedrich Stickler hat Hickersberger sofort angerufen, und er hat ihm auch schon zugesagt.

NEWS: Warum musste letztendlich Hans Krankl über die Klinge springen?
Stronach: Ausschlaggebend war die allgemeine Stimmung, die seit dem Spiel in Aserbaidschan herrscht. Nach all den Bemerkungen hab ich das Gefühl gehabt, dass die Klubpräsidenten unbedingt eine Veränderung und einen neuen Teamchef wollen. Und der ÖFB wollte sowieso eine andere Person und nicht mehr mit Hans Krankl weiterarbeiten. Er hat seine Chance bekommen, jetzt muss es ein anderer vielleicht besser machen. Es hat ja überhaupt keinen mehr gegeben, der sich für den Hans noch stark gemacht hätte.

NEWS: Wie schwer war es eigentlich, Rapid-Präsident Rudolf Edlinger von dieser Variante zu überzeugen?
Stronach: Natürlich hat er sich nicht gefreut, dass er seinen Trainer verliert. Aber er hat uns allen versichert, dass er im Interesse des österreichischen Fußballs keinem im Wege steht. Somit war alles klar.

NEWS: Was kann Hickersberger bis zur EM 2008 besser als Krankl machen?
Stronach: Wichtig ist schon einmal, dass er alle Spieler kennt. Er muss die besseren Jungen zusammenholen und mit ihnen viel intensiver und öfter trainieren. Eine Mannschaft muss sich zusammenspielen. Das geht nur mit viel Training.

NEWS: Muss es nicht einen noch viel deutlicheren Schnitt im Nationalteam geben?
Stronach: In den nächsten zwei, drei Jahren werden sich ein paar von den 21-Jährigen besonders gut entwickeln. Ich denke da an meine Austria Amateure, die vorne sind, und das ist schon ein gutes Zeichen. Etliche Junge werden bis zur EM im richtigen Alter für das Team sein. Da wird es schon einen Lauf geben. Österreich muss wieder besser werden. Wir waren früher im Fußball immer weit vorne, heute sind wir ziemlich weit hinten. Das schadet dem Fußball und auch dem Land.

NEWS: Wie wichtig war es, mit Hickersberger eine österreichische Lösung getroffen zu haben?
Stronach: Ich glaube, der Teamchef muss ein Österreicher sein.Wir haben gute Trainer im Land, und es hat auch mehrere Namen gegeben. Nur für den Hans war die Zeit abgelaufen. Er hat zwei Qualifikationen nicht geschafft, da muss jeder Fußballtrainer der Welt zurücktreten. Das war keine Überraschung.

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(apa)

28.9.2005 15:34