Dienstag, 27. September 2005

Rapid-Boss Edlinger: Keine Hickersberger- Freigabe bis zum Ende der Herbstsaison!

  • Abgang seines Trainers "eine große Veränderung"
  • Ex-Minister: "Grundsätzlich ist niemand unersetzlich"

Wenn auch alles darauf hindeutet, dass Josef Hickersberger das österreichische Fußball-Nationalteam zur Heim-Europameisterschaft 2008 führen wird - in diesem Jahr wird man den 57-Jährigen noch nicht auf der ÖFB-Betreuerbank sehen, zumindest wenn es nach Rapid-Präsident Rudolf Edlinger geht.

"Vor Beendigung der Herbstsaison am 10. Dezember gibt es keine Freigabe", stellte der Klub-Boss am Mittwoch wenige Stunden vor dem Champions-League-Spiel seiner Mannschaft gegen Juventus in Turin klar und ergänzte, eine Doppelfunktion Rapid - ÖFB bis Jahresende sei ebenfalls kein Thema.

Prinzipiell will sich Edlinger aber nicht gegen den Abgang seines Meister-Trainers stemmen, wie er bereits am Montag betont hatte. "Wenn alle neun Landespräsidenten des ÖFB und die absolute Mehrheit der Bundesliga-Präsidenten der Meinung sind, da gibt es jemanden, der absolutes Vertrauen hat, dann wäre es ein schäbiges Verhalten von mir, auf die Einhaltung des Vertrages bis Sommer 2006 zu pochen."

Sollte Hickersberger zum zweiten Mal das Teamchefamt antreten wollen, stehen Edlinger noch einige Verhandlungen mit dem ÖFB bevor. "Wir müssen uns über die Übergabe-Modalitäten einig werden, denn es wird ja niemand davon ausgehen, dass ich dafür zahle, wenn ich einen Trainer loswerde."

Er selbst hätte sich mit einem Hickersberger-Wechsel zum Nationalteam "erstmals richtig vor einigen Tagen" beschäftigt. Mit den Entwicklungen auf der Präsidentenkonferenz am Montag in Oberwaltersdorf und der damit verbundenen "Designierung" von Hicke einen Tag vor einem Champions-League-Spiel sei er, Edlinger, nicht glücklich gewesen.

"Der Zeitpunkt war nicht optimal"
"Der Zeitpunkt war nicht optimal, aber ich habe ihn nicht festgesetzt. Das ganze hat eine Dynamik bekommen und hätte sich dann auch nicht mehr verhindern lassen", meinte Edlinger und wies noch einmal darauf hin, dass er in der Abstimmung gegen einen Teamchef Hickersberger gestimmt habe und es trotz der unglücklichen Terminisierung keine Verstimmung mit dem ÖFB gebe.

Die Zeit ohne Hickersberger wird laut Edlinger "eine große Veränderung für alle sein, auch für mich, weil ich ein gutes persönliches Verhältnis mit ihm habe. Aber grundsätzlich ist niemand unersetzlich, kein Präsident und kein Trainer."

Edlinger muss sich nun wohl auf die Suche nach einem neuen Trainer machen, wollte sich aber an Spekulationen über einen neuen Hütteldorfer Coach nicht beteiligen - nur so viel verriet er. "Es ist egal, ob er ein Österreicher ist oder nicht. Auf den Pass muss man nicht schauen."

Edlinger zeigte für die Nichtverlängerung des Vertrags von ÖFB-Teamchef Hans Krankl Verständnis. "Es kann nicht sein, dass ein Trainer über die Medien mitteilt, was er sich wünscht", erklärte der Rapid-Präsident und verwies damit auf mehrmalige Aufforderungen von Krankl an ÖFB-Präsident Stickler, seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern.

(apa)

27.9.2005 16:16