Der Steckbrief von Hans Krankl: "Bomber der Nation" mit negativer Trainerbilanz!
- EC-Sieger mit Barcelona. Chefrainer u. a. in Köln
Als Spieler avancierte Hans Krankl zum legendären "Bomber der Nation", als Trainer waren ihm aber bisher derartige Erfolg nicht vergönnt. Deshalb muss der 52-Jährige (spätestens) mit Jahresende seinen Hut als Österreichs Fußball-Teamchef nehmen.
"Ich wer' narrisch, jetzt kenn ma uns a Vierterle genehmigen." Mit diesen legendären Worten kommentierte der frühere ORF-Radio-Sportchef Edi Finger Sen. am 21. Juni 1978 live den unvergesslichen 3:2-WM-Triumph Österreichs in Argentinien über den regierenden Weltmeister Deutschland. Krankl hatte sich mit seinen zwei Toren zum ersten Erfolg über den Nachbarn seit 47 Jahren zum Helden gemacht und ein Denkmal gesetzt. Mehr als 27 Jahre danach war Krankl am Montag "narrisch", weil er informiert wurde, dass sich seine Teamchef-Ära dem Ende zuneigt.
1978 entzückten die TV-Bilder aus Cordoba das rot-weiß-rote Fußballvolk. Sie gingen um die ganze Welt. Der FC Barcelona war schon vorher auf den "Rapid-Buam" Krankl aufmerksam geworden und holte für 12 Millionen Schilling den europäischen Gold-Schuh-Gewinner, der in der Saison 1977/78 für die Grünweißen in Österreich bisher unerreichte 41 Meisterschaftstore erzielt hatte, nach Katalonien.
Krankl schlug auch auf der iberischen Halbinsel ein wie seine Schüsse und Kopfbälle im gegnerischen Gehäuse. Er "bombte" sich gleich in seiner ersten spanischen Saison zum Schützenkönig (29), Cupsieger und als Krönung seiner kurzen, aber erfolgreichen Auslandskarriere zum Europacup-Gewinner der Cupsieger.
Auch wenn seine Sympathien noch heute "Barca" gehören, sein Herz schlug und schlägt stets für Rapid. Nachdem Vater Krankl, ein Straßenbahnfahrer, seinen hochtalentierten, neunjährigen Sohn, der sich schon vorher im Park mit anderen Buben viele heiße Schlachten geliefert hatte, im unterklassigen Verein Straßenbahn Wien hatte einschreiben lassen, verpflichteten die Hütteldorfer den Stürmer 1965 für 25.000 Schilling.
1971 mit erstem Einsatz für Rapids Kampfmannschaft
Im Frühjahr 1971 gab Trainer Gerdi Springer dem Junioren-Goalgetter erstmals eine Chance in der Kampfmannschaft. Beim 0:1 auf der Pfarrwiese gegen den LASK war er in der 46. Minute für den legendären, inzwischen aber verstorbenen "Wembley Toni" Fritsch eingewechselt worden.
Zwei Runden später durfte Krankl gegen WSG Wattens (1:0-Sieg) 90 Minuten durchspielen, danach kam er in dieser Saison allerdings nur noch als Joker zwei Mal zum Einsatz. "Ich verstand damals nicht, warum Springer nicht auf junge Spieler, sondern lieber auf Erfahrung setzte", sagt der Noch-ÖFB-Teamchef, der damals für ein Jahr an Ostligist WAC verliehen worden war. Im Prater, wo der Verein beheimatet war und die Bäume blühen, entfalteten sich die fußballerischen Künste des Krankl weiter.
So steuerte der Jungtorjäger im Frühjahr 1972 zum 9:2-Schützenfest gegen SC Hinteregger allein acht Tore bei. Daraufhin beorderte Ernst Hlozek, der inzwischen Springer als Rapid-Trainer abgelöst hatte, den 19-Jährigen zurück nach Hütteldorf. Zwei Jahre später machte sich Krankl erstmals zum Bundesliga-Schützenkönig (1974/36 Tore). 1976 feierte er den ersten Titel (Cup) mit Rapid, danach erhielt er die Kapitänsschleife, die er bis zu seinem Verkauf nach der WM-Endrunde 1978 trug.
Auf Argentinien folgte der Transfer nach Spanien, wo nach den sportlichen Höhen Differenzen mit Barca-Trainer Rife dazu führten, dass Krankl im Winter 1979/80 zurück nach Wien kam. Jedoch nicht zu Rapid ("zu teuer"), sondern zur Vienna. Nach dem Intermezzo auf der Hohen Warte ging's im Herbst 1980 wieder nach Katalonien, doch musste Hans dort im Frühjahr 1981 dem deutschen Jungstar Bernd Schuster (zu jener Zeit waren nur zwei Ausländer spielberechtigt) endgültig weichen. Krankl lehnte ein tolles Angebot von AC Milan ab und so griff Rapid unter dem Druck seiner Fans zu und holte seinen "verlorenen Sohn" heim.
Es sollte eine der erfolgreichsten Perioden der grünweißen Historie werden. Mit Krankl als Hauptdarsteller auf dem Weg zu zwei Meistertiteln, drei Cup-Siegen und ins Europacup-Endspiel der Cupsieger (1985). Zu Krankls Höhepunkten im Rapid-Dress zählt auch der noch immer bestehende Liga-Rekord von sieben Toren in einem Spiel (11:1 gegen den GAK im Frühjahr 1977). Im Winter 1986 trennten sich die Wege von Rapid und Krankl, der seine Karriere beim Sportclub (letztes Oberhaus-Spiel), Kremser SC und SV Salzburg, dem er 88/89 mit seinen Toren zum Aufstieg in die Elite-Liga verhalf, ausklingen ließ.
Der Wechsel vom Spieler zum Trainer war in Dornbach gleitend als Spielertrainer erfolgt. Ab Herbst 1989 war Krankl dann nur noch als Trainer im Einsatz. An seine Erfolge als Spieler kam er jedoch bisher nicht heran. Rapid, VfB Mödling (zwei Mal), FC Tirol, SV Gerasdorf, SV Salzburg, Fortuna Köln und Admira waren seine bisherigen Stationen als Klub-Feldherr. Dazwischen, 1992, wandelte sich Krankl zum singenden Johann K.
Er figurierte im ORF-Radio als "Der Nachtfalke" und gab Lieder wie "Rostige Flügln", "Lonely Boy" etc. zum Besten. Seiner Liebe zur Musik hat er sich bis heute bewahrt. Im Jänner 2002 trat Johann K. als ÖFB-Teamchef an. Einige seiner Vorgänger hatte er selbst als Aktiver in 69 Länderspielen mit 34 Toren begeistert. So gab er 1977 beim 9:0 in Salzburg gleich sechs Mal seine Visitenkarte im Malta-Tor ab, das ist nach wie vor Rekord.
Mit dem Patrioten Krankl auf der Kommandobrücke sollte es mit der Nationalmannschaft wieder aufwärts gehen. Doch nach bisher 31 Spielen lautet die nüchterne Bilanz des Cordoba-Helden zehn Siege, zehn Remis und elf Niederlagen (Torverhältnis: 47:46). Und nach der verpassten Qualifikation für die EM 2004 in Portugal war auch in der laufenden WM-Qualifikation der angepeilte zweite Platz, der zur Teilnahme an einem Playoff-Spiel für Deutschland 2006 berechtigt hätte, nach dem 0:0 in Aserbaidschan am 7. September 2005 auch rechnerisch außer Reichweite. Daher beschloss der ÖFB das Ende der Ära Krankl. Ein neuer Mann soll nun ein schlagkräftiges Team für die EM-Endrunde 2008 im eigenen Land formen.
Johann KRANKL (52):
Geboren: 14. Februar 1953 in Wien
Größe: 182 cm
Gewicht: 90 kg
Familienstand: verheiratet (Ingrid; Kinder: Sandra, Johann, Maria)
Hobbies: Fußball, Musik, Golf
Lieblingsschauspieler: Clint Eastwood, Sean Connery, Halle Berry
Lieblingsfilm: Fisch namens Wanda
Stationen als Profi-Spieler (von 1965 bis Sommer 1989):
Rapid, Wiener AC, FC Barcelona, Vienna, Rapid, Wr. Sportclub, Kremser SC, SV Salzburg
Größte Erfolge als Aktiver:
*ÖFB-Meister 1982 und 1983
*ÖFB-Cupsieger 1972, 1976, 1983, 1984, 1985
*Spanischer Cupsieger 1979
*Torschützenkönig: vier Mal in Österreich (1974/36 Treffer, 1977/32, 1978/41 aktueller Bundesliga-Rekord, 1983/23) ein Mal in Spanien (FC Barcelona/29 Treffer in Saison 1978/79)
*"Gold-Schuh"-Gewinner (Europas bester Torschütze) 1978 (41 Tore)
*"Silber-Schuh"-Gewinner 1974 (36)
*69 A-Länderspiele mit 34 Toren (Debüt 13. Juni 1973 gegen Brasilien
1:1, Teamende 17. April 1985 gegen Ungarn 0:3)
*Zwei WM-Endrunden-Teilnahmen (1978/Argentinien und 1982/Spanien)
*Europacup-Gewinner der Cupsieger 1979 (mit FC Barcelona im Finale 4:3 n.V. gegen Fortuna Düsseldorf/ein Krankl-Tor)
*Europacup-Finalist der Cupsieger 1985 (mit Rapid 1:3 gegen FC
Everton/ein Krankl-Tor)
Stationen als Cheftrainer (von Sommer 1989 bis Winter 2001):
*Rapid (1990: Bundesliga-Dritter, dritte Europacup-Runde, ÖFB-Cupfinalist; 1991 Bundesliga-Vierter und ÖFB-Cupfinalist; 1992:
Bundesliga-Fünfter)
*VfB Mödling (1993: Bundesliga-Aufstieg, 1994: Bundesliga-Sechster)
*FC Tirol (1995: Bundesliga-Fünfter, zweite UEFA-Cup-Runde)
*VfB Mödling (1996: Vierter in zweiten Division)
*SV Gerasdorf (1997: Fünfter in zweite Division)
*SV Salzburg (1998 und 1999: jeweils Bundesliga-Vierter, 1999: UI-Cup-Finale)
*Fortuna Köln (Jänner bis Mai 2000: vorzeitige Trennung als Tabellenvorletzter in zweiter Liga)
*Admira Wacker Mödling (2001: Bundesliga-Neunter und Klassenerhalt,
2001: im Dezember vorzeitige Trennung)
ÖFB-Teamchef (ab Jänner 2002):
Bisherige Bilanz nach 31 Länderspielen: 10 Siege, 10 Remis, 11 Niederlagen; Torverhältnis 47:46
(apa)
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