Mittwoch, 28. September 2005

Juve eine Nummer zu groß: Rapid-Wunder
auf dem Turiner Rasen blieb mit 0:3 aus

  • Hicke: "Haben in dieser Höhe verdient verloren"
  • Juve zeichnete individuelle Klasse & Organisation aus

Eine Überraschung zu liefern, war vor der Abreise nach Turin zum Champions-League-Match gegen Juventus das erklärte Ziel von Rapid gewesen. Das ist nur insofern gelungen, als dass Josef Hickersberger als Rapid-Trainer in Norditalien gelandet war und als "designierter Teamchef" zurückkehrte. Auf dem Rasen hingegen blieb eine Sensation aus - die Hütteldorfer unterlagen Juve 0:3 und liegen damit in Gruppe A nach zwei Partien am Tabellenende.

Wenn der österreichische Rekordchampion gegen die "alte Dame" in der zweiten Hälfte auch längere Zeit eine gute Figur abgab, so machte sich schließlich doch der Klassenunterschied bemerkbar. "Wir haben verdient auch in dieser Höhe verloren", musste Hickersberger zugeben, wies aber auch darauf hin, dass man die Niederlage gegen ein absolutes Top-Team kassiert hat. "Es ist die individuelle Klasse und die Organisation, die ein Klasseteam wie Juve auszeichnet", meinte der 57-Jährige, für den das 0:3 "ein brutales Resultat" darstellt.

Was Hickersberger beeindruckte, war aber nicht nur die Leistung der Juve-Stars ("Das sind die Sterne, an denen man sich orientieren muss"), sondern auch die Professionalität, mit der sein Gegenüber Fabio Capello die Partie in Angriff genommen hatte. "So wie er das Spiel ernst genommen hat, ist das ein Kompliment für uns. Mit Ausnahme von Vieira hat er meiner Meinung nach mit der besten Mannschaft gegen uns gespielt und keinen für das Schlagerspiel am Wochenende gegen Inter geschont."

Mit dem gesperrt gewesenen Vieira hatte Hickersberger bereits vor dem Spiel im Mannschaftshotel geplaudert. "Er hat Juventus das größte Kompliment gemacht, indem er gesagt hat, Juventus ist viel stärker als Arsenal, und ich halte auch Arsenal für eine Weltklasse-Mannschaft", erklärte "Hicke".

Passable Figur in zweiter Hälfte
Und gegen dieses Starensemble hätten seine Schützlinge nach dem Seitenwechsel durchaus passable Figur gemacht. "Die zweite Hälfte war in Ordnung. Dass wir nach einem Eckball für uns innerhalb von fünf Sekunden ein Tor bekommen, spricht für Juventus." Konterchancen wie jene, die zum 2:0 für die Italiener führte, hätten sich zwangsläufig ergeben, wenn man gegen eine Elf wie Juventus alles nach vorne wirft. "Ich würde meinen Spielern eher dann einen Vorwurf machen, wenn sie nichts riskiert hätten."

Als Auszeichnung für seine Schützlinge wertete der bei österreichischen Schiedsrichtern nicht gerade beliebte Hickersberger auch ein Gespräch nach dem Schlusspfiff mit dem schwedischen Unparteiischen Martin Hansson, der ihn "für das vorbildliche Auftreten" seiner Kicker lobte. "So etwas ist mir noch nie passiert. Das hat mich am meisten gefreut und ist ein großes Kompliment."

Das faire Verhalten der Rapidler auf dem Rasen des mit rund 11.000 Zuschauern nur spärlich besuchten Stadio delle Alpi sei aber nicht mit Zweikampfschwäche gleichzusetzen. "Wir haben die Zweikämpfe angenommen, nur ist die Härteverträglichkeit von Juventus eine andere als unsere."

Aufstiegsfrage wohl schon entschieden
Durch die Niederlage in Turin und den gleichzeitigen Heimsieg der Bayern gegen Brügge dürfte das Rennen um die beiden Aufstiegsplätze schon jetzt gelaufen sein, nun geht es im Doppel gegen Brügge (18. Oktober daheim, 2. November auswärts) um Gruppen-Rang drei und die damit verbundene Übersiedlung in den UEFA-Cup. "Ob wir die gleichen Voraussetzungen wie Brügge haben, werden wir erst sehen, denn einen Portillo von Real können wir uns nicht leisten. Aber ich bin überzeugt, wir haben eine 50:50-Chance und können gewinnen", sagte Hickersberger.

So wie davor hielt sich der Trainer auch nach dem Spiel an sein in der Teamcheffrage auferlegtes Schweigegelübde. Die heftigen Diskussionen im Vorfeld der Partie hätten die Leistung seiner Mannschaft nicht beeinflusst, glaubt Hickersberger, gab aber zu. "Die Spieler machen sich sicher Gedanken, wer neuer Trainer wird, sollte ich weggehen."

Genau dieser Prozess hat laut Steffen Hofmann schon am Montag eingesetzt. "Am Abend vor dem Juve-Match ist nur über dieses Thema geredet worden", sagte der Kapitän, für dessen eigene Zukunft bei Rapid die Person des Trainers keine Rolle spielt. Der 25-Jährige, in Sachen ÖFB ohnehin ein gebranntes Kind, ärgerte sich über das Timing des Verbandes. "Der Zeitpunkt, solche Aussagen zu machen, war äußerst ungünstig."

(apa)

28.9.2005 14:29