Dienstag, 27. September 2005

Karl Decker ist tot: Ex-ÖFB-Teamchef verstarb im alter von 84 Jahren in Wien!

  • Vienna-Urgestein mit über 600 Spielen für Döblinger

Der ehemalige Fußball-Teamspieler und ÖFB-Teamchef Karl Decker ist am Dienstag in Wien gestorben. Der ehemalige Rechts-Verbinder der Vienna starb 22 Tage nach seinem 84. Geburtstag (geb. 5. September 1921). Decker erzielte in über 600 Spielen für die Vienna 605 Tore, er absolvierte 25 Länderspiele für Österreich (19 Tore) sowie auch acht für Deutschland und war von 1958 bis 1964 in 36 Länderspielen einer der erfolgreichsten österreichischen Teamchefs.

Deckers Spielerkarriere begann 1934 beim Ottakringer SC, über Schwarz-Weiß und Weiße Elf Penzing kam er im Herbst 1937 zur Vienna, für die er mit 16 Jahren debütierte. Der schusskräftige Rechtsverbinder, der 1944 (33 Tore) und 1950 (23) zwei Mal Schützenkönig war, absolvierte 1942 acht Länderspiele für Deutschland (8 Tore) und zwischen 1945 und 1952 25 Länderspiele für Österreich. Danach fungierte er als Spielertrainer bei Sturm Graz (1952/1953), ehe er als Legionär für Sochaux (Frankreich) und Grenchen (Schweiz) auf Torjagd ging.

1958, im Alter von nur 37 Jahren, wurde Decker zum Teamchef bestellt. In seine Ära fiel eine der ruhmreichsten Nachkriegsepochen des Teams. Seine Mannschaft (u.a. mit Stotz, Koller, Hanappi, Hof, Senekowitsch, Nemec und Buzek) ließ 1960/61 mit ihrer Erfolgsserie (Siege gegen Schottland/4:1, die UdSSR/3:1 und 1:0, Spanien/3:0 vor der noch immer gültiger Rekordkulisse von 90.726 Zuschauern, Italien/2:1, England/3:1, Ungarn/2:1 und 2:1) Erinnerungen an das Wunderteam wach werden. In dieser Phase ging nur ein Spiel in Budapest (0:2) verloren.

Dem Höhenflug folgte ein Wellental und 1964 kündigte Decker nach sechsjähriger Tätigkeit seinen Vertrag mit dem ÖFB nach sechs sieglosen Partien und insgesamt 36 Länderspielen vorzeitig. Lediglich Hugo Meisl (128 Länderspiele), Herbert Prohaska (51), Leopold Stastny (49) und Walter Nausch (47) haben als Teamchef mehr Länderspiele absolviert.

In der Folge war er noch Trainer bei der Vienna, beim Sportclub und kurzfristig bei Rapid. Ab 1969 fungierte Decker lange Jahre als Präsident des Bundes Österreichischer Fußball-Lehrer (BÖFL).


Reaktionen zum Ableben von Karl Decker:
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel: "Mit Karl Decker ist eine österreichische Fußball- und Sportlegende von uns gegangen. Karl Decker war für Generationen ein Symbol für den Aufbruch des österreichischen Sports in den Nachkriegsjahren. Karl Decker hat durch seine sportlichen Leistungen wesentlich dazu beigetragen, dass der heimische Fußball international wieder seinen verdienten Platz fand. Sein Tod macht mich sehr betroffen. Ich möchte der Familie Karl Deckers mein tiefes Mitgefühl aussprechen."

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler: "Karl Decker war, so lange es seine Gesundheit erlaubte, bei den Spielen der österreichischen Nationalmannschaft zu Gast. Ich habe ihn persönlich gekannt und sehr geschätzt. An seine Erfolge als Teamchef kann ich mich gut erinnern, sie werden immer unvergessen bleiben."

Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer: "Mit dem Tod von Karl Decker verliert der Sport einen der ganz Großen des österreichischen Fußballs. Er war einer der ersten sehr erfolgreichen Legionäre und setzte seine glanzvollen Erfolge in den 60er Jahren als Trainer des österreichischen Nationalteams fort. Ich hatte das große Glück, den Menschen Karl Decker kennen zu lernen und werde ihn in bester Erinnerung behalten."

Wiens Sportstadträtin Grete Laska: "Ich möchte mein Bedauern und meine aufrichtige Anteilnahme den Angehörigen von Karl Decker zum Ausdruck bringen. Neben dem schmerzlichen Verlust des Menschen Decker verliert der Sport einen Botschafter, der für Wien aber auch für Österreich als Teamspieler und Fußballnationaltrainer viel geleistet hat. Ein Leben ohne Fußball konnte er sich nicht vorstellen, er blieb dem runden Leder immer eng verbunden und sein Herz gehörte auch dem Nachwuchs."

(apa)

27.9.2005 17:43