Mittwoch, 28. September 2005

Hurrikan "Katrina": Vor einem Monat zog der Wirbelsturm über den Süden der USA

  • 1.121 Menschen bei der Naturkatastrophe getötet
  • Bushs Popularität schwer in Mitleidenschaft gezogen

Vor einem Monat wütete "Katrina" im Süden der USA. Erst nach und nach wurden die Schäden sichtbar, die der Hurrikan am 29. August anrichtete. Die Bilanz des Schreckens einen Monat nach der Katastrophe:

Wirtschaft und Finanzen: Die Kosten des Wiederaufbaus der Stadt New Orleans und anderer Gebiete im Süden des US-Bundesstaats Louisiana sowie in Alabama und im Südosten von Texas werden die Summe von 300 Milliarden Dollar (fast 250 Milliarden Euro) wohl überschreiten. Dadurch wird sich das ohnehin beträchtliche US-Haushaltsdefizit noch vergrößern, so dass die Regierung in Washington wohl die Ausgaben in anderen Bereichen kürzen muss. Auch das Regierungsvorhaben, die Steuern zu senken, könnte durch die hohen Sturmkosten gefährdet sein. Einige Finanzexperten gehen allerdings davon aus, dass die hurrikanbedingten Mehrausgaben das US-Wachstum ankurbeln könnten.

Menschen und Umwelt: Durch "Katrina" wurden mehr als tausend Menschen getötet, aktuelle Statistiken zählen 1.121 Todesopfer. Zudem machte der Hurrikan mehrere hunderttausend Menschen obdachlos, die nun in Notunterkünften untergebracht sind. Ein Jahr lang dürfte der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, insbesondere der ärmsten Viertel von New Orleans, dauern. Ein großer Teil der Bürger der Stadt des Jazz, die vor dem Wirbelsturm fast 500.000 Einwohner hatte, wird wohl nicht zurückkehren, sondern sich in weniger gefährdeten Gebieten eine Bleibe suchen. Insbesondere durch die Überschwemmung von Ölraffinerien und Chemiewerken hat Hurrikan "Katrina" zu gravierender Umweltverschmutzung geführt, ein großer Teil des natürlichen Lebensraums entlang des Golfs von Mexiko ist zerstört. Das genaue Ausmaß der Auswirkungen auf die Umwelt der Region und die Gesundheit ihrer Bewohner ist noch nicht absehbar.

Politik und Wahlen: Die späte Reaktion von Präsident George W. Bush auf die menschliche Tragödie der Bewohner der Sturmgebiete hat seiner Popularität schwer geschadet. In einer Umfrage äußerten sich 58 Prozent der US-Amerikaner negativ über Bushs Regierungsweise. Dies könnte sich auch auf die im kommenden Jahr anstehenden Teilwahlen für den Kongress auswirken, der bisher noch von Bushs Republikanern dominiert wird.

Psyche und Soziales Klima: "Katrina" hat den US-Amerikanern deutlich gemacht, wie schlecht ihre Regierung auf eine größere Katastrophe vorbereitet war - und das, obwohl diese anders als ein schwerer Anschlag vorhersehbar war. Es wurde offenbar, wie schwierig massive Evakuierungen aus Krisengebieten sind. Das Vertrauen in die Fähigkeit der Behörden, Opfern zu helfen und die Ordnung aufrecht zu erhalten, ist landesweit tief erschüttert. Auch die ethnischen Spannungen hat "Katrina" im Süden der Vereinigten Staaten verschärft, wo sich die arme und überwiegend schwarze Bevölkerung im Stich gelassen fühlt. (apa/red)

28.9.2005 14:00