Wahlforscher überzeugt: Veränderungen durch Dresden-Nachwahl unwahrscheinlich!
- Weiteres Überhang-Mandat für eine Partei möglich
Die Wahlforscher sagen: Eine Veränderung des Kräfte-Verhältnisses im Deutschen Bundestag zu Gunsten der SPD durch die Dresden-Nachwahl ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich. Aus Sicht des Bundeswahleiters könnte es theoretisch ein weiteres Überhang-Mandat für eine Partei geben, Veränderungen bei der Verteilung der Listenplätze in Sachsen und letztlich auch in anderen Bundesländern. Derzeit hat die Union 225 Mandate, die SPD 222.
Bei der Bundestagswahl 2002 ging das Direktmandat im Wahlkreis Dresden I knapp an die CDU. Falls der jetzige CDU-Kandidat Andreas Lämmel dies ebenfalls schafft, hätte die Union 226 Bundestagssitze. Denkbar ist aber, dass die CDU ein Listenmandat in einem anderen Bundesland verliert, wenn sie jetzt "zu viele" Zweitstimmen bekommt. Fachleute sehen das Limit bei etwas mehr als 40 000 Zweitstimmen.
Die SPD könnte einen 224:224 Mandate-Gleichstand mit der Union erreichen - aber nur, wenn sie via Direktmandat und Zweitstimmen- Ergebnis je einen Sitz gewinnt und die Union ein Mandat verliert. Experten gehen allerdings davon aus, dass die SPD im günstigsten Fall mit dem Gewinn von zwei Mandaten immer noch einen Sitz hinter der Union zurückbleibt. Dan stünde es 224 zu 225 Mandate.
Noch komplizierter wird es, falls Zweitstimmen in großem Maß von der CDU auf die FDP übergehen. Nach einigen Berechnungen wäre dann auch noch ein weiterer Sitz für die FDP möglich, die jetzt mit 61 Abgeordneten drittstärkste Kraft im Bundestag sind.
2002 gewann die SPD im Wahlkreis Dresden I bei den Zweitstimmen mit 32,9 Prozent vor der CDU mit 30,5 Prozent. Das Direktmandat ging dagegen an die CDU - mit 33,8 Prozent vor der SPD mit 31,3 Prozent.
Die Nachwahl im Wahlkreis Dresden I wurde erforderlich, nachdem kurz vor dem eigentlichen Wahltermin am 18. September eine Direktkandidatin der rechtsextremen NPD gestorben war. Das Wahlgesetz sieht in einem solchen Fall die Nominierung eines neuen Kandidaten vor und eine Nachwahl mit ausreichendem Vorlauf auch für Briefwähler. (apa)
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