Donnerstag, 29. September 2005

Wieder verheerender Anschlag im Irak: Über 80 Tote in Schiitenviertel von Balad

  • Drei Autobomben detoniert. Viele Menschen verletzt
  • Augenzeugen: Es waren Selbstmordanschläge

Im Irak sind am Donnerstag bei mehreren Bombenanschlägen über 80 Menschen getötet worden. Über 100 weitere Menschen seien verletzt worden, als in der überwiegend von Schiiten und Sunniten bewohnten Stadt Balad drei Autos explodierten, berichteten Polizeivertreter weiter. Balad, das auch Stützpunkt der US-Truppen ist, liegt etwa 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad.

Den Angaben nach wurden die Bomben nach Einbruch der Dunkelheit scheinbar koordiniert nahe einem belebten Markt in einem Schiiten-Bezirk gezündet. Die ersten beiden Sprengsätze seien innerhalb von zehn Minuten explodiert, die dritte etwa eine halbe Stunde später, hieß es. In der Nähe habe sich auch eine Polizeiwache befunden.

Die überwiegend von Sunniten angeführten Aufständischen in dem Golfstaat haben bei ihren Anschlägen wiederholt die schiitische Bevölkerungsgruppe ins Visier genommen. Für etliche Anschläge wird die Al-Kaida-Organisation im Irak verantwortlich gemacht, die vom Jordanier Abu Musab al-Zarqawi angeführt wird.

Explosionen innerhalb von 15 Minuten
Einwohner der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt berichteten, die Anschläge hätten sich im Abstand von rund 15 Minuten ereignet. Nach ihren Angaben sprengte sich zuerst ein Attentäter auf einer Geschäftsstraße in die Luft. Als die Menschen von dort in Panik flohen, fuhr ein zweiter Attentäter mit seiner Autobombe mitten in die Flüchtenden und zündete seinen Sprengsatz. Die dritte Bombe explodierte auf dem Bab al-Sur Markt in der Nähe des Grabes des Imams Mohammed bin Ali al-Hadi, der von den irakischen Schiiten verehrt wird. Die Verletzten wurden auf mehrere Krankenhäuser der Region verteilt.

US-Präsident George W. Bush rechnet im Zusammenhang mit der Verfassungsabstimmung im Oktober und den Wahlen im Dezember mit einer neuen Welle von Gewalt im Irak. Das sei das übliche Muster, die Aufständischen wollten den demokratischen Prozess torpedieren, sagte Bush am Mittwoch (Ortzeit). Das werde ihnen aber nicht gelingen.

Im Raum Balad, wo sich ein Militärstützpunkt befindet, hat es in der Vergangenheit wiederholt Anschläge von Aufständischen gegeben. Vor knapp zwei Wochen waren bei der folgenschwersten Anschlagsserie seit Jahresbeginn im Irak in der Hauptstadt Bagdad rund 150 Menschen getötet worden. Zu den Attentaten hatte sich der irakische Ableger der Terrorgruppe Al Kaida bekannt.

Der Befehlshaber der Koalitionstruppen, General George Casey, betonte am Donnerstag in Washington, trotz einer erwarteten Gewaltwelle hielten die USA an der geplanten Truppenreduzierung im Irak fest. Der genaue Zeitplan hänge vom politischen Prozess im Irak ab. "Die nächsten 75 Tage sind entscheidend", sagte Casey bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats. Im Irak sind insgesamt gut 130.000 US-Soldaten stationiert. Wieviele genau abgezogen werden sollen, wird aus taktischen Gründen nicht gesagt.

(apa)

29.9.2005 19:15