4° Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100: Klima erwärmt sich so schnell wie nie zuvor
- Meeresspiegel könnte bis zu 30 Zentimeter klettern
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Das Weltklima erwärmt sich nach einer neuen Studie so schnell wie nie zuvor. Die globale Temperatur werde bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu vier Grad Celsius steigen, berechneten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in einer Studie für den Klimarat der Vereinten Nationen (IPCC).
Der Meeresspiegel könne bis zu 30 Zentimeter klettern. Die Sommer in Europa werden trockener und wärmer, die Winter feuchter, sagte Projektleiter Erich Roeckner am Donnerstag in Hamburg.
Immer weniger Eis am Nordpol
Am Nordpol gibt es immer weniger Eis. Wie Wissenschafter nach der Auswertung jüngster Satellitendaten mitteilten, gab es am 19. September 5,27 Millionen Quadratmeter Seeeis. Das waren 20 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Es war der niedrigste Stand seit Beginn der wissenschaftlichen Aufzeichnungen 1978. Gleichzeitig lag die Durchschnittstemperatur von Jänner bis August 2005 in den meisten Arktisgebieten bis zu vier Grad über dem Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre.
Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen in der Arktis führt dazu, dass das Eis dort deutlich schneller schmilzt als in früheren Jahren, wie Wissenschafter nach der Auswertung neuester Daten von Beobachtungssatelliten mitteilten. So beginne seit 2002 der Frühling im Norden von Sibirien und Alaska immer früher. Dieser Trend habe sich inzwischen auf die gesamte Arktis ausgedehnt. 2005 habe die Schneeschmelze 17 Tage früher als gewöhnlich eingesetzt.
Das Schmelzen von Eis und Schnee habe sich beschleunigt, erklärte Ted Scambos von der Universität von Colorado. "Der gemeinsame Trend ist, dass sich die Temperatur über dem Eis, über der See und über Land im vergangenen Jahrzehnt erhöht haben." Die Forscher nannten keine Ursachen, erklärten aber, es gebe kaum eine andere Erklärung als die globale Erwärmung.
Oberösterreichs Gletscher schmelzen "im Rekordtempo"
Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober (G) und die Naturfreunde weisen auf einen Gletscherrückgang als Folge des Klimawandels hin. "Die Gletscher schmelzen im Rekordtempo", erklärte Anschober bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz. Er kündigte umfassende Forschungsmaßnahmen und eine Ausweitung der Klimaschutzaktivitäten an. Der Bundesvorsitzende der Naturfreunde, der oberösterreichische SPÖ-Klubobmann Karl Frais, machte in einer Aussendung auf die Kampagne "Auf jeden kommt es an: Klimaschutz jetzt!" aufmerksam.
Die Kohlendioxidemissionen befänden sich auf einem hohen Niveau, der Energieverbrauch in Oberösterreich sei laut Statistik Austria von 1990 bis 2003 um 40,5 Prozent angestiegen, berichtete der Landesrat. Das Schrumpfen der Eismassen sei das sichtbarste Zeichen dieser Entwicklungen. Am Hallstätter Gletscher beispielsweise sei 2004 wieder ein verstärkter Rückgang zu verzeichnen gewesen, der an der Hauptzunge mit minus fünf Meter die katastrophale Entwicklung der vergangenen Jahre fortgeführt habe, so Anschober.
Im Zuge des Klimaschutzprogramms des Landes und eines Runden Tischs zum Thema "Weltkulturerbe Hallstatt" wurde im Vorjahr die Idee geboren, am Gletscher einen Lehrpfad einzurichten. Dabei soll der Rückgang mittels Markierungen und Infotafeln visualisiert werden. Zusätzlich sollen an stark frequentierten Orten in Oberösterreich Infostellen eingerichtet werden, die durch die Übertragung via Webcams den derzeitigen Zustand des Hallstätter Gletschers dokumentieren, berichtete Anschober. Die Eröffnung des Lehrpfads ist für Sommer 2006 geplant.
Das Umweltressort starte derzeit gemeinsam mit renommierten Klimaforschern ein umfassendes Projekt, erklärte der Landesrat. Im Detail sollen dabei die Auswirkungen und Konsequenzen auf Oberösterreich und seine Bürger in allen wichtigen Bereichen vom Tourismus bis zur Landwirtschaft sowie von der Energie bis zur Natur erhoben werden.
Der Klimawandel schlage sich auch in der Wirtschaft nieder, betonte Frais. So drohe eine um 20 bis 40 Schneetage kürzere Wintersaison bei einer weiteren Temperaturzunahme in Österreich. Die Naturfreunde fordern daher von der Politik eine "entschlossene Vorgangsweise". Effektiver Klimaschutz könne nur gelingen, wenn dieses Anliegen von einer breiten Basis getragen werde, so Frais. (apa/red)

