Donnerstag, 29. September 2005

Massensturm von Flüchtlingen auf Spanien:
Fünf Menschen kamen bei Aktion ums Leben

  • 500 Personen versuchten, nach Europa zu kommen
  • Spanien schickt Soldaten in Exklaven in Marokko

Nach dem dritten Massenansturm afrikanischer Flüchtlinge auf zwei Exklaven in Marokko binnen drei Tagen schickt Spanien jetzt Soldaten in die Gebiete. Sie sollen die überforderte Küstenwache verstärken, wie das Verteidigungsministerium in Madrid mitteilte. Den Ausschlag für die Truppenentsendung gab ein Blitzansturm von mehreren hundert Menschen auf Ceuta, bei dem in der Nacht zum Donnerstag mindestens fünf Afrikaner ums Leben kamen.

Einer der Männer blieb im Zaun hängen, der Ceuta umgibt, ein anderer wurde vermutlich totgetrampelt, wie das Innenministerium bekannt gab. Drei weitere Tote fand die Küstenwache später auf der marokkanischen Seite der Grenzanlage. Mindestens 50 Afrikaner verletzten sich bei ihrem verzweifelten Versuch, auf spanisches Territorium zu gelangen.

Zwei der fünf Toten wiesen nach einer Meldung der spanischen Nachrichtenagentur EFE Schusswunden auf. Ermittler gingen davon aus, dass die Flüchtlinge von der marokkanischen Seite des Grenzzauns aus beschossen worden seien, berichtete die Agentur.

Der Aktion in der Nacht waren zwei ähnliche Fluchtversuche von jeweils mehreren hundert Personen in die Exklave Melilla vorausgegangen, bei denen in den Nächten zuvor mindestens 40 Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden waren.

Die EU-Kommission in Brüssel bedauerte die Vorfälle. "Es ist eine Tragödie", sagte Sprecherin Francoise Le Bail. Die Entwicklung zeige, dass die EU eine gemeinsame Einwanderungspolitik brauche. Erforderlich sei dabei auch, den Dialog mit Drittstaaten zu intensivieren. EU-Justizkommissar Franco Frattini erklärte, die EU müsse "legale Zuwanderungskanäle" stärken und ein "effektives Asylsystem" errichten.

Die spanischen Behörden waren von der Masse der Flüchtlinge und ihren koordinierten Versuchen überrumpelt, wie der Vertreter des Innenministeriums in Ceuta, Jeronimo Nieto, erklärte. "Die Sicherheitskräfte waren alarmiert, aber sie haben nicht mit so vielen Menschen und mit einer derartig verrückten Welle gerechnet", sagte er im spanischen Radio. Einen derartigen Blitzansturm habe es zuvor nicht gegeben.

Verteidigungsminister Jose Bono sagte auf einer Pressekonferenz in Madrid, Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero habe ihn um die Entsendung von Soldaten gebeten. "Ich habe die Anordnung erhalten, die Küstenwache in Ceuta und Melilla mit Truppen zu verstärken", sagte er. Wie groß das Kontingent sein wird, konnte er noch nicht sagen.

Die Auffanglager in den Exklaven sind inzwischen total überlastet, weil bei jedem Ansturm hunderten Menschen die Überwindung der Grenze gelingt. Mit selbst gebauten Leitern erklimmen sie die Zäune, um auf der anderen Seite hinunterzuspringen. Die Flüchtlinge kommen aus Ländern südlich der Sahara und wollen über die Exklaven nach Europa gelangen, um der Armut und dem Elend in ihrer Heimat zu entkommen.

(apa)

29.9.2005 07:07