Montag, 26. September 2005

Knapper Sieg für Ariel Sharon in Likud-Abstimmung gegen Benjamin Netanyahu

  • Partei lehnt vorgezogene Stichwahl mit Netanyahu ab
  • PLUS: Israel fliegt dritten Tag in Folge Luftangriffe

Israels Regierungschef Ariel Sharon hat den Streit mit seinem parteiinternen Rivalen Benjamin Netanyahu um die Likud-Führung vorerst für sich entschieden. Das Zentralkomitee der Partei lehnte am Montagabend vorgezogene Neuwahlen um das Amt des Parteichefs ab und stellte sich damit hinter den Regierungschef. "Das Ergebnis steht endgültig fest. Sharon hat gewonnen", sagte Likud-Sprecher Shmulik Sisso.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat sich im inneren Machtkampf der rechtskonservativen Likud-Partei vorerst gegen seinen Rivalen Benjamin Netanyahu durchgesetzt. Mit knapper Mehrheit lehnte das Likud-Zentralkomitee am Montagabend die von Netanyahu vorgeschlagene vorgezogene Neuwahl des Parteichefs ab und stellte sich damit hinter Sharon. Unterdessen setzte Israel seine Offensive gegen radikale Palästinenser im Gaza-Streifen fort. Mehrere militanten Gruppen in Gaza verkündeten gleichzeitig einen Stopp ihrer Angriffe auf Israel.

Er werde an der Spitze der Partei bleiben und diese im kommenden Jahr in die Parlamentswahl führen, zitierte die Zeitung "Maariv" den Ministerpräsidenten. Sharons knapper Sieg wurde sowohl von ihm selbst als auch von seinem Konkurrenten als Vertrauensbeweis für Sharon gewertet. Netanyahu gestand seine Niederlage ein. Seine Ambitionen auf den Likud-Vorsitz bleibe aber bestehen, sagte er.

Von den 2789 Teilnehmern des Zentralkomitees stimmten 1.433 gegen Netanyahus Plan, 1.329 votierten dafür. Netanyahu hatte beantragt, dass die Likud-Mitglieder bereits im November über den Parteichef abstimmen. Ursprünglich war das Votum für April geplant. Durch das Vorziehen der Abstimmung versprach sich Netanyahu bessere Chancen auf den Parteivorsitz. Er wollte sich den Unmut vieler Likud-Mitglieder über den Abzug aus dem Gaza-Streifen und die darauf folgende Gewalt zu Nutze machen. Im November 2006 wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Der Vorsitzende des Likud wird dabei als Spitzenkandidat für das Amt des Regierungschefs ins Rennen gehen.

Der israelische Außenminister Silvan Shalom rief zu Einigkeit innerhalb des Kabinetts auf. "Heute gibt es keinen Grund, auf Gewinner und Verlierer zu schauen", sagte Shalom im Hinblick auf das Abstimmungsergebnis. Unter anderem hatten sich Bildungsministerin Limor Livnat und Gesundheitsminister Danny Naveh für eine vorgezogene Wahl des Parteichefs im November ausgesprochen. Für den Fall einer frühzeitigen Wahl hatte Sharon mit der Gründung einer neuen Partei gedroht. Vorgezogene Parlamentswahlen wären wohl die Folge gewesen. (apa/red)

26.9.2005 22:11