Sonntag, 2. Oktober 2005

Nach Sieg bei Steiermark-Wahl: Franz Voves erster Landeshauptmann der SPÖ

  • Seit 1236 eine Frau und bisher 94 Männer

Die Steiermark bekommt nach der Landtagswahl am heutigen Sonntag mit Franz Voves ihren ersten gewählten SPÖ-Landeshauptmann. Nach dem Sozialdemokraten Reinhard Machold, der von Mai bis Dezember 1945 an der Spitze der provisorischen Landesregierung gestanden war, hatten alle fünf weiteren Landeshauptleute der ÖVP angehört. Voves löst mit Waltraud Klasnic (V) die erste Frau ab, die je auf dem LH-Sessel Platz genommen hatte.

Seit 1236 haben insgesamt 94 Landeshauptmänner und eine Landeshauptfrau die politischen Geschicke der Steiermark gelenkt. In früherer Zeit war der Landeshauptmann Stellvertreter des Landesfürsten, dann oberster Repräsentant der Stände neben einem vom Kaiser ernannten Statthalter. In seiner heutigen Funktion wurde der Vorsitz in der Landesregierung mit dem Bundesverfassungsgesetz 1920 eingeführt.

Der Landeshauptmann wird - wie die anderen Regierungsmitglieder - bei der Konstituierenden Sitzung des neuen Landtages gewählt. Aller Voraussicht nach wird das SPÖ-Landesvorsitzender Franz Voves sein.

Die steirischen Landeshauptleute seit 1945:

  • Reinhard Machold (1931-1979) zählt zu den großen Persönlichkeiten der österreichischen Sozialdemokratie. Der geborene Schlesier übernahm 1925 den Vorsitz der steirischen Sozialisten und war von Mai bis Ende 1945 erster provisorischer Landeshauptmann.


  • Anton Pirchegger (1885-1949) war der erste steirische Landeshauptmann der Zweiten Republik, der von einem gewählten Landtag bestellt wurde. Der Bauernbündler war schon in der Ersten Republik Nationalratsabgeordneter der Christlich-Sozialen und 1934-39 Landtagspräsident. 1945 war er Mitbegründer der ÖVP und gewann mit ihr am 25. November 1945 die Wahlen. Reinhard Machold wurde sein Stellvertreter, eine Position, die die Sozialdemokraten bis heute innehaben. 1948 zog sich Pirchegger krankheitsbedingt zurück und schlug Josef Krainer als Nachfolger vor.


  • Josef Krainer sen. (1903-1971) stammt aus ärmlichen Verhältnissen in der Obersteiermark. Sein politischer Aufstieg begann 1934 mit dem Einzug in den Landtag. Am 6. Juli 1948 wurde zum Landeshauptmann gewählt. Fünf Mal im Amt bestätigt, gestaltete der "lärchene Stipfl" die Wiederaufbauzeit und prägte deren weltoffene und moderne Ausrichtung. Als er 1971 auf der Jagd einem Herzversagen erlag, fand man bei ihm einen Zettel, auf dem er Friedrich Niederl als Nachfolger empfahl.


  • Friedrich Niederl (geb. 1920) stammt aus Lassing, begann als Landarbeiter und absolvierte im zweiten Bildungsweg ein Jus-Studium, das ihn in die Landesverwaltung brachte. 1960 wurde er Bezirkshauptmann in Feldbach, 1965 holte ihn Krainer sen. als Landwirtschafts- und Wohnbaureferent in sein Kabinett. Als dessen Nachfolger führte er die ÖVP im Oktober 1974 auf - unerreichte - 53,2 Prozent. 1980 zog er sich zurück und gab die Stafette an den "jungen Krainer" weiter.


  • Josef Krainer jun. (geb. 1930) gilt als der Letzte aus der Reihe der "Landesfürsten". Der promovierte Jurist war Weggefährte Friedrich Niederls, der ihn 1971 in seine Regierung holte. 1980 wurde "Joschi" Krainer selbst Landeschef. Er verfolgte den Weg der "gesamten steirischen Breite" und mitunter einer kantigen Politik gegenüber Wien. 1995 zog er sich nach einer Wahlniederlage zurück und hält sich bis heute an ein selbst auferlegtes Kommentierungsverbot.


  • Waltraud Klasnic (geb. 1945) übernahm 1996 eine VP, die nur noch knapp vor der SPÖ lag. Sie hatte seit 1988 dem Kabinett Krainer jun. als Wirtschaftslandesrätin angehört und schaffte es durch Fleiß und Engagement, die Rolle einer "Landesmutter" auszufüllen: 2000 konnte sie mit einem Plus von elf Prozentpunkten von 36 auf 47 Prozent den höchsten Zuwachs erzielen, der (bis dahin) je bei einer Landtagswahl seit 1945 erreicht wurde.


  • Franz Voves (geb. 1953) hat 2002 die steirische SPÖ übernommen. Zuvor war der studierte Betriebswirt und frühere Eishockey-Nationalspieler in der Versicherungsbranche tätig. An Chancen auf Platz eins im Land glaubte Voves bei der Übernahme der Landespartei noch nicht. Skandale und Affären im Bereich der ÖVP haben ihm aber geholfen, die ÖVP und Klasnic abzulösen.


(apa/red)

2.10.2005 20:17