Klarer SPÖ-Sieg bei Steiermark-Wahlen: Affären und Skandale waren entscheidend
- Richtungsentscheidung zweites zentrales Motiv
- ÖVP nur bei Jungen vorne, sonst überall SPÖ in Front
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Die Affären und Skandale der vergangenen Monate haben die steirische Landtagswahl am Sonntag entschieden. Zu diesem Schluss kommt das Meinungsforschungsinstitut OGM in einer Wahltagsbefragung für den ORF (1.000 Telefoninterviews am 2. Oktober). Zweites zentrales Wahlmotiv war die Frage einer politischen Richtungsentscheidung.
"Entscheidend für den Wahlausgang waren die Affären und Skandale in der Steiermark. Die Zuspitzung in den letzten beiden Wochen auf die Landeshauptmann- und Koalitionsfrage von Seiten der ÖVP war strategisch richtig, profitiert haben aber beide Traditionsparteien", so OGM-Politologe Peter Hajek.
Unter allen Befragten haben 78 Prozent angegeben, die Kontrolle von Missständen sei ein besonders wichtiges Wahlmotiv gewesen. 75 Prozenten nannten die "Richtungsentscheidung" als besonders wichtig. Bereits deutlich schwächer ist mit 61 Prozent das Motiv Tradition bzw. Stammwähler zu sein. 60 Prozent machten die "gute Entwicklung des Landes" für ihre Präferenz mit verantwortlich, 55 Prozent wollten gegen "Affären und Skandale in der Steiermark" stimmen. Das Motiv, eine Stimme gegen eine rot-rote Koalition aus SPÖ und KPÖ abzugeben, nannten 29 Prozent. 24 Prozent wollten gegen die schwarz-orange Bundesregierung protestieren.
Die Personalisierung in den Wahlkämpfen hat auch in der Steiermark ihre Fortsetzung gefunden. Vor allem die Wähler der kleineren Listen haben zu einem hohen Anteil angegeben, die Spitzenkandidaten seien für ihre Wahlentscheidung besonders wichtig gewesen. Dies gilt vor allem für den Kommunisten Ernest Kaltenegger, der für 89 Prozent der KPÖ-Wähler entscheidend war. Gerhard Hirschmann wurde bei dieser Frage von 87 Prozent genannt, BZÖ-Spitzenkandidat Michael Schmid von 82 Prozent.
Deutlich schwächer hat die bisherige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) gezogen. Mit 72 Prozent liegt sie in dieser Frage aber noch immer vor ihrem voraussichtlichen Nachfolger Franz Voves (S), der von 57 Prozent der der SPÖ-Wähler als Wahlmotiv genannt wurde. Diesen Wert hat auch der freiheitliche Spitzenkandidat Leopold Schöggl erreicht. Die Grüne Ingrid Lechner-Sonnek wurde nur von 26 Prozent der Wähler ihrer Partei als entscheidend genannt.
ÖVP nur bei Jungen vorne
OGM hat am Sonntag auch das Verhalten unterschiedlicher Wählergruppen untersucht. Wahlverlierer ÖVP hatte demnach nur bei den Jungen, den 18- bis 29-Jährigen, die Nase leicht vorne. Bei den Jungen haben 33 Prozent angegeben, die ÖVP gewählt zu haben, 32 Prozent haben sich für die SPÖ entschieden. Platz drei in dieser Altersgruppe hat mit elf Prozent die KPÖ vor den Grünen (9 Prozent). Auch Gerhard Hirschmann konnte bei den bis 29-Jährigen mit 8 Prozent punkten.
In allen anderen Altersgruppen lag die SPÖ voran, besonders deutlich mit 50 zu 39 Prozent bei den Pensionisten. Bemerkenswert auch ein weiterer Trend: Je älter die Wähler, desto schwächer das Abschneiden der Kleinparteien.
Nach Berufsgruppen hat die ÖVP die Selbstständigen und Freiberufler zu 74 Prozent gewinnen können. Bei den Arbeitern liegt dafür die SPÖ mit 55 Prozent klar voran.
Bei den Wahlmotiven zeigen sich naturgemäß Unterschiede zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien. Die VP-Wähler haben die "gute Entwicklung des Landes" gewürdigt. Auch die Richtungsentscheidung war von großer Bedeutung. Der Schwerpunkt der SPÖ-Wählermotive liegt bei der Kontrolle von Missständen. Dieses Wahlmotiv ist - außer bei der ÖVP - auch bei allen anderen Gruppierungen (FPÖ, Grüne, BZÖ, KPÖ, Hirschmann) an der Spitze der Motive zu finden.
Auffallend ist, dass die Warnung vor einer rot-roten Koalition aus SPÖ und KPÖ bei FPÖ-, BZÖ- und Hirschmann-Wählern eine überdurchschnittliche Rolle gespielt hat. Grün- und KP-Wähler führen besonders die Affären und Skandale in der Steiermark an. (apa/red)
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