Endspurt im steirischen Wahlkampf: Das Rennen um Platz 1 sorgt für Hochspannung!
- NEWS: Fällt die grüne Mark, wankt auch Schüssel
- Darabos: Für vorgezogene Wahlen "allzeit bereit"
Endspurt in der Steiermark: Das Rennen um Platz 1 sorgt für Hochspannung. Der Wahlsonntag wird vor allem für die ÖVP zum Polit-Thriller: Fällt jetzt die grüne Mark an die SPÖ, wankt bald auch Schüssel. NEWS über eine Wahl mit Auswirkungen auf die Bundespolitik!
Für den Exeishockeycrack Franz Voves ist es angesichts des Fotofinishs um Platz eins bei der steirischen Landtagswahl völlig klar: Er wird Landeshauptmann Waltraud Klasnic, wenn es sich rechnerisch ausgeht, den finalen Bodycheck verpassen. Sein Vorbild: Wolfgang Schüssel, 2000 als Wahldritter Bundeskanzler geworden - daher gilt in der Steiermark ab Sonntag auch: Nur wenn Klasnic in der Landesregierung mit fünf von neun Sitzen absolut siegte, bliebe sie Landeshauptmann. In jedem anderen Fall werde das große Pokern beginnen. Dann, so Voves, werde die SPÖ auch als Zweiter mit allen verhandeln, um zu einer Landeshauptmannmehrheit jenseits der ÖVP zu kommen.
VP warnt vor der "roten Katze"
VP-General Reinhold Lopatka, der zuletzt immer wilder auf die angeblich abschreckende "rote Katze", ein Propagandainstrument aus den fünfziger Jahren gegen ein SP-KP-Bündnis, setzt und dafür gleich gegen Fidel Castro und Mao Tse-tung inserieren ließ: "Ich weigere mich, den Steiermark-Verlust anzudenken. Die steirische Situation ist mit den anderen Landeswahlen nicht vergleichbar, weil der ÖVP aus ihrem Kern heraus eine gegnerische Liste erwachsen ist."
Fast alle Meinungsforscher sagen der Klasnic-ÖVP einen schweren Absturz - um bis zu zehn Prozent - voraus. Das hieße für sie den Verlust von bis zu vier Landtagsmandaten (von derzeit 26 auf 22). Der SPÖ, die bei 19 Mandaten hält, werden bis sieben Prozent plus vorausgesagt - drei Landtagsmandate mehr. Ein 22:22-Mandatspatt von ÖVP und SPÖ ist möglich, selbst bei hauchdünnem VP-Vorsprung.
Poker um KPÖ und Hirschmann: Wer wählt Klasnic?
Die dann folgende Regierungsbildung bei einem Verbleib von Klasnic als LH-Kandidatin wird jedenfalls kompliziert - weil sie selbst schon erklärte, weder von Hirschmanns noch von Kalteneggers Stimme abhängig sein zu wollen: "Dann bin ich's nicht." Zudem haben die Grünen und auch die SPÖ erklärt, Klasnic, sollte sie ihre absolute Regierungsmehrheit verlieren, im Landtag sicher nicht zu küren. Was ÖVP-General Lopatka besonders erzürnt: "Es machen alle Parteien einen großen Fehler, wenn sie sich vor dem Wahltag festlegen. Das ist sehr arrogant den Wählern gegenüber, die letztlich die Richtung vorgeben." Lopatka sieht daher keinen Grund, im Landtag auf die Stimmen der Liste Hirschmann, sofern sie den Einzug schafft, zu verzichten. Nicht vorstellen kann er sich trotz gegenteiliger Beteuerungen der Landeshauptfrau eine Absprache VP/KP: "Da sind die Unterschiede doch zu groß." Das Rennen jedenfalls wird knapp: Als "ziemlich stabil" sahen die Demoskopen den Vorsprung der SPÖ vor der ÖVP - mit 38:36 Prozent. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer: "Man muss sagen, dass die Estag-Abfertigungsfrage Hirschmann die Sache zugunsten der SPÖ gedreht hat."
VP-Parole: Keinesfalls Debatte um Schüssel
Die ÖVP zittert um die Steiermark, aber selbst wenn auch die Landtagswahlen im Burgenland und in Wien schief gehen, machen sowohl Lopatka wie auch ÖVP-Nationalratsklubchef Wilhelm Molterer schon klar: Es wird keinerlei ÖVP-interne Diskussion über Schüssel und dessen Kurs geben. Molterer: "Schüssel ist die unumstrittene Nummer 1 in der ÖVP, daran besteht auch für die Zukunft kein Zweifel." Und Nationalratswahlen wegen drei verlorenen Regionalwahlen spiele es sicher nicht.
Was vorsorglich selbst die letzten verbliebenen starken ÖVP-Länder versichern. Josef Pühringers Geschäftsführer in Oberösterreich, Michael Strugl: "Zwar wäre es eine Katastrophe, nach Salzburg auch die Steiermark zu verlieren, aber letztlich wären hausgemachte G'schichten der Grund." Ähnlich Erwin Prölls niederösterreichischer Parteigeschäftsführer Gerhard Karner: "In der Bundes-ÖVP wird nix passieren. Kein Grund für uns, Druck auszuüben."
SPÖ: Für vorgezogene Wahlen "allzeit bereit"
SP-Darabos traut freilich dem Frieden einer fixen Bundeswahl 2006 nicht: "Wir planen eine Herbstoffensive. Noch nie waren wir mit der Vorbereitung eines Nationalratswahlkampfes so früh dran." Immerhin verliere Schüssel mit dem drohenden Aus für das BZÖ in der Steiermark weiter an Kanzlerlegitimation. Die SPÖ sei jedenfalls "allzeit bereit". Außerdem würde man längst besser als die ÖVP mobilisieren, die in den Bundesländern gravierende Probleme habe: Salzburg, demnächst vielleicht die Steiermark verloren, keine Chance gegen Häupl und Niessl, dazu starke Gewinne der SPÖ in Oberösterreich - und selbst in Kärnten liege die SPÖ trotz Obmanndebatte auf Platz 1.
Noch mehr zu den Wahlen in der Steiermark lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!
Syrien13:12
UNO-Rüge nach MassakerSicherheitsrat richtet nach Massaker in Houla deutliche Worte an Regierung
Suu Kyi11:03
Erste AuslandsreiseNach 24 Jahren zum ersten Mal wieder ins Ausland: Suu Kyi reist nach Bangkok
Dalai Lama in Österreich14:12
Keine Angst vor ChinaAußenministerium reagiert auf Chinas Empörung betont gelassen
