Mittwoch, 28. September 2005

Vor der Steiermark-Wahl: "Abend zum Nach- und Weiterdenken" der Landes-SPÖ

  • Plädoyer von Gusenbauer und Sinowatz für Voves

Für eine der letzten Wahlkampfveranstaltungen einer um den Landeshauptmann kämpfenden Partei war das Fest des Club Voves der SPÖ in der Grazer Seifenfabrik ruhig und "in Richtung Nachdenklichkeit gestaltet, wie es der Schauspieler und Moderator Harald Krassnitzer formulierte. Altkanzler Fred Sinowatz plädierte in einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte für "Vernunft in der Politik", SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer schlug als Einziger der Gastredner politische Töne an und sah im derzeitigen Klasnic-Stellvertreter schon "den künftigen Landeshauptmann Franz Voves".

Gusenbauer meinte bei dem als "Abend zum Nach- und Weiterdenken" gestalteten Fest, Politik brauche Erneuerung und Veränderung. Er, Gusenbauer, habe bei der Salzburger Landtagswahl schon gesagt, in wenigen Monaten werde man sich an den Gegenkandidaten von Gabi Burgsteller nicht erinnern - ebenso wie bei Bundespräsidentenwahl an die Gegenkandidatin von Heinz Fischer. "Wenn wir uns hier in einem Jahr wiedertreffen, werden wir sagen, es ist gut, dass der Franz unser Landeshauptmann ist, denn er wird es werden." Der SPÖ-Chef bekannte, ein Liebhaber der Steiermark zu sein - "wegen des guten Weines - wenig überraschend, und weil man nach Betriebsbesuchen in steirischen Firmen immer so motiviert ist".

Voves will Lobbyist der Gerechtigkeit sein
Voves selbst wehrte die Vorschusslorbeeren seines Bundesvorsitzenden ab und meinte, zuerst seien die Wähler am Wort. Gerührt war der steirische SPÖ-Chef "von den lobenden Worten von Altkanzler Fred Sinowatz", den er als damaliger Eishockey-Nationalspieler noch von der Eröffnung der Olympischen Spielen in Innsbruck 1976 in Erinnerung habe. Voves versprach, "nie ein Lobbyist einer Interessensvertretung zu sein, sondern nur einer der sozialen Gerechtigkeit und der Menschlichkeit". Diese seine Grundhaltung wolle er in der Regierung umsetzen und er hoffe, von den Wählern mehrheitlich Zustimmung zu bekommen.

Altkanzler Sinowatz meinte, "am Lebensabend der Nachdenklichkeit" wolle er noch einmal sagen, "warum die Dinge so kompliziert sind" - in Anspielung auf seine berühmt gewordene Aussage: "Die Entwicklung habe eine Dynamik erreicht, bei der viele Menschen nicht mehr mitkämen. Es gebe mehr Wohlstand, aber weniger Solidarität, es gebe mehr Schlagworte als Argumente, nicht Vernunft, sondern Inszenierung sei gefragt. Er sei "trotz Alter und Beschwerlichkeit" nach Graz gekommen, um festzustellen: "Franz Voves hat ein Bekenntnis zur Vernunft abgelegt".

Für Voves sprachen auch noch die junge Skispringerin Daniela Iraschko in einer Videobotschaft sowie der frühere Marketingchef der Steirerbrau und Brauunion, Karl Detschmann. Letzterer erzählte in berührenden Worten von seinem kürzlich verstorbenen Bruder, einem obersteirischen Stahlarbeiter, der sich nach seiner Kündigung und siebenjähriger Arbeitslosigkeit "von diesen Wunden körperlich und seelisch nie mehr erholt hat". Geschickt und unausgesprochen wurde in einem Gespräch von Moderator Krassnitzer mit dem 25-jährigen gebürtigen Iraner Rusbe Nemati der Bogen zum aktuellen Entwurf des Staatsbürgerschaftsgesetzes - Aberkennung der Staasbürgerschaft beim Sitzenbleiben - gezogen: "Ich hatte in der Volksschule Probleme mit dem 3. und 4. Fall und hätte nach der Empfehlung der Lehrerin nicht in die AHS gehen sollen", so Nemati. "Aber ich habe meine Chance bekommen und mich entwickelt".

Einen Festerfolg konnte der "Club Voves" am Ende der Veranstaltung vermelden: Rund 15.000 Euro blieben abzüglich der Veranstaltungskosten für die Opfer des Hochwassers in der Steiermark im August. (apa)

28.9.2005 11:12