Sonntag, 2. Oktober 2005

'Wir geben sicher zu wenig für Bildung aus':
Österreichs Rektoren-Chef schlägt Alarm

  • "Kopf in den Sand" der Politiker bei Uni-Zugang
  • Studiengebühren als Lenkungsinstrument sinnlos

Der Chef der Rektorenkonferenz (ÖRK), Christoph Badelt, ist der Ansicht, dass Österreich "sicher zu wenig für Bildung ausgibt". Das sei aber schon immer so gewesen, so Badelt in der ORF- "Pressestunde". In der Frage des Uni-Zugangs habe die Politik nach dem EU-Beitritt Österreichs zu lange "den Kopf in den Sand gesteckt".

In der Frage der Uni-Finanzierung müsse man mehrere Bereiche auseinander halten, betonte Badelt. Rund 170 Millionen Euro seien nötig, um den Nachholbedarf bei den Ausgliederungskosten wie die erhöhten Mieten und Soziallasten aufzuholen. Die nötigen Gebäudesanierungen veranschlagte er mit 600 Millionen Euro - und dann müsse man sich noch die Frage stellen, was man tun müsse, um europareif oder "Weltklasse" zu werden.

Beim Thema Uni-Zugang meinte der Rektoren-Chef, dass die "sauberste Lösung" eine entsprechende Regelung im EU-Beitrittsvertrag gewesen wäre. Warum man nicht darauf bestanden habe, wisse er nicht.

Generell beobachte er die derzeitige Diskussion mit Sorge, weil sie aus einem kurzfristigen Anlass heraus vom wahren Problem ablenke. Österreich habe schon vor dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu wenige Studienplätze in der Medizin gehabt.

Die unterschiedlichen Verfahren zur Studentenauswahl an den einzelnen Unis verteidigte Badelt grundsätzlich. Zwar habe man "sicher nicht überall die perfekten Verfahren erfunden in der Kürze der Zeit". Allerdings seien unterschiedliche Auswahlwege in unterschiedlichen Studienrichtungen international "höchst normal" und "nicht chaotisch".

"Sehr skeptisch" ist Badelt bei Bedarfserhebungen, wie viele Absolventen in einem bestimmten Fach man brauche. Die Höhe der Studiengebühren als Lenkungsinstrument einzusetzen, hält der Rektoren -Chef nicht für sinnvoll.

Zur Hebung der international geringen Akademikerquote seien nicht mehr Studenten nötig, sondern mehr Absolventen, betonte Badelt. In Österreich sei die Studiendauer zu lange und die Drop-Out-Rate zu hoch. Außerdem schaffe man es nicht, das Begabungspotenzial von Personen, deren Eltern nicht Akademiker sind, auszuschöpfen. (apa)

2.10.2005 12:49