Werden die Öffis in Wien bald teurer? Häupl stellt Fahrschein-Preise zur Diskussion!
- Kostendeckungsgrad bei Straßenbahn nur 27 Prozent
- Farscheinpreise zuletzt mit 1. Juni 2002 erhöht
Werden die Öffis in Wien bald teurer? Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl hat in einem Interview mit der "Wiener Zeitung" angedeutet, dass in Wien bald eine Erhöhung der Fahrscheinpreise nötig sein könnte. Genaueres wollte er zu kommenden Gebührenerhöhungen nicht sagen: "Eine Regierungspartei wäre ja bescheuert, wenn sie im Wahlkampf über ihre Schwächen sprechen würde - das macht ohnehin die Opposition."
Konkret äußerte er sich allerdings zu den Tarifen bei den Wiener Linien. Häupl wörtlich: "Aber über eines sind wir uns wohl im Klaren: Der Kostendeckungsgrad bei der Straßenbahn beträgt jetzt 27 Prozent. Man kann die Straßenbahn auch völlig kostenlos machen, aber irgendwer - und das wäre der Steuerzahler - muss sie bezahlen, sonst fährt keine. Das ist relativ einfach."
Zuletzt sind die Fahrscheinpreise in Wien per 1. Juni 2002 erhöht worden, also knapp ein Jahr nach der Gemeinderatswahl im März 2001. Der Preis für den im Fahrzeug gekauften Einzelfahrschein stieg damals um 40 Cent auf 2,00 Euro, jener im Vorverkauf um 20 Cent auf 1,50 Euro. Im Durchschnitt wurden die Preise für die verschiedenen Fahrscheinkategorien um 8,2 Prozent erhöht. Zuvor hatte die Währungsumstellung auf den Euro für eine Verbilligung in einigen Kategorien gesorgt.
Rathaus-Opposition gegen höhere Fahrschein-Preise
Die Opposition im Wiener Rathaus befürchtet eine Erhöhung der Fahrscheinpreise für die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien. Anlass dazu sind Aussagen von Bürgermeister Michael Häupl (S), der in einem Interview mit der "Wiener Zeitung" auf den niedrigen Kostendeckungsbeitrag bei der Straßenbahn hingewiesen hat. Die Freiheitlichen verlangten in einer Ausendung sogar eine Senkung der Tarife.
Wolfgang Gerstl, Verkehrssprecher der Wiener ÖVP, warnte davor, dass eine "Gebührenerhöhungswelle" die Wiener überrollen werde. VP-Landesparteichef Johannes Hahn gab sich dagegen amüsiert. "Wenn Bürgermeister Häupl nicht mehr weiter weiß, dann steigt in Wien der Fahrscheinpreis", reimte er in einer Aussendung: "Jetzt fehlt nur noch die Fußgängervignette."
Für FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache wäre eine Erhöhung verkehrs- und sozialpolitisch völlig inakzeptabel. Er sprach sich gegen eine "reine Abzocke" zur Finanzierung der "Misswirtschaft bei den Wiener Linien" aus. BZÖ-Spitzenkandidat Hans-Jörg Schimanek meinte: "Wer am 23. Oktober SPÖ-Häupl wählt, weiß genau, dass nach der Wahl alles in Wien teurer wird."
Kritik kam auch von der Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou. Im Sondergemeinderat am kommenden Montag will ihre Fraktion von Häupl eine Garantie verlangen, dass die Tarife in den kommenden vier Jahren nicht weiter erhöht werden. (apa)
