Freitag, 30. September 2005

Arisierungen von Grundstücken: Bundes-forste lassen NS-Vergangenheit aufarbeiten

  • Historiker Oliver Rathkolb untersucht Vergangenheit
  • Restitutionszahlungen gelten als unwahrscheinlich

Die Bundesforste haben den Historiker Oliver Rathkolb mit der historischen Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit beauftragt. Anlass ist, so Vorstand Thomas Uher das anstehende 80-Jahr-Jubiläum des größten österreichischen Grundbesitzers. Ein erster Zwischenbereich soll im Februar 2006 vorliegen, in Buchform veröffentlicht wird die Studie voraussichtlich 2007. Zwischen 1938 und 1945 waren die Bundesforste Teil der deutschen Reichsforstverwaltung.

Laut Rathkolb soll die Studie unter anderem das Verhalten der österreichischen und deutschen Angestellten der Forstverwaltung gegenüber den beschäftigten Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen klären. Außerdem soll untersucht werden, wie die Arisierung von hunderten Grundstücken verlaufen ist und ob sie nach 1945 an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurden, berichtet das Ö1-Morgenjournal. Zudem will sich Rathkolb der Frage der "Elitenkontinuität" nach 1945 widmen.

Restitutionen unwahrscheinlich
Rund um die heute angekündigte Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Österreichischen Bundesforste wird es voraussichtlich zu keinen Restitutionszahlungen bzw. zur Restitution von weiteren Grundstücken kommen. Dieser Bereich sei bereits im Jahr 2000 sehr umfassend aufgearbeitet worden, so ein Unternehmens-Sprecher auf Anfrage der APA. Soweit die ehemaligen Eigentümer oder deren Erben feststellbar waren, wurden arisierte Häuser und Grundstück bereits zurückgeben.

Man habe derzeit keinen Grund zu Annahme, dass es zu weiteren Restitutionen kommen werde. Sollte bei den Untersuchungen dennoch etwas in diese Richtung auftauchen, werde man das natürlich "nach bestem Wissen und Gewissen prüfen". Primär gehe es bei dem neuen Forschungsprojekt um die Zwangsarbeiter bzw. den Bereich der "internen Karriereverläufe" der leitenden Angestellten der Reichsforstverwaltung.

Definitiv nicht Gegenstand der Forschung seien Forderungen der Habsburger-Familie. Diese seien bereits mehrfach zurückgewiesen worden, so der Sprecher. (apa/red9

30.9.2005 09:10