Montag, 26. September 2005

"Heimat großer Töchter, Söhne": Bundes-hymne soll jetzt frauenfreundlicher werden

  • "Vaterland" wird durch Begriff "Heimatland" ersetzt
  • STIMMEN SIE AB: Soll der Text verändert werden?

"Heimat großer Töchter, Söhne:" Der Text der österreichischen Bundeshymne steht vor einer tiefgreifenden Änderung und soll dadurch frauenfreundlicher werden. Geht es nach Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, werden nicht mehr zeitgemäße Passagen durch neutrale Begriffe ersetzt. PLUS: Stimmen Sie ab - Soll der Text verändert werden?

Bereits in der vierten Zeile des Textes erfolgt die erste Veränderung: Anstatt "Heimat bist du großer Söhne" soll es bald "Heimat großer Töchter, Söhne" lauten. Weitere Änderungen gibt es in der dritten Strophe der Hymne. Die bisher gesungene Passage "Einig lass in Brüderchören, Vaterland dir Treue schwören" steht gleich vor zwei Einschnitten. Der neue Entwurf: "Einig lass in freud´gen Chören, Heimatland dir Treue schwören".

Schon einmal wurde versucht, die Bundeshymne von seiner männlich dominierten Seite zu befreien. SPÖ, Grüne und das Liberale Forum haben bereits öfters eine Neufassung beantragt. Die Grünen forderten zuletzt im Jahre 1999 eine Reform des Textes. Nach einer Siegesserie der Ski-Damen bei den Weltmeisterschaften meinte Madeleine Petrovic, dass es "Siegerinnen unzumutbar sei, Heimat bist du großer Söhne zu singen". Der damalige Bundespräsident Thomas Klestil hat den Vorschlag jedoch abgelehnt. Jetzt soll die Änderung schneller vor sich gehen. Noch heuer soll der neue Text-Entwurf im Ministerrat beschlossen werden.

Auch was mögliche Probleme mit dem Verlag betrifft, habe man von Fritz Molden, dem Sohn von Paula von Preradovic, bereits gesprochen. So habe Molden sein Einverständnis zu einer Abänderung gegeben. Außerdem sei der Text Eigentum der Republik.

Schüssel überlegt noch, BZÖ zwiegespalten
Endgültig ist diese Variante freilich nicht. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel will die Ministerinnen seiner Regierung beauftragen, bis zum Nationalfeiertag einen konsensfähigen Text vorzulegen. Das BZÖ sieht in der Hymnen-Änderung zwar keine Causa Prima, werde sich aber wohl nicht verwehren, meinte Vizekanzler Hubert Gorbach. Anders Bündnissprecher Uwe Scheuch, der die Diskussion als "sinnlos" und "schwachsinnig" abqualifizierte.

Ansonsten waren es nur Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, die Skepsis bzw. Ablehnung gegenüber dem Umtexten signalisierten. Innenministerin Liese Prokop meinte hingegen beschwichtigend: "Ein alter Bibeltext und ein neuer Bibeltext sind auch anders." Nationalratspräsident Andreas Khol will sich nicht an Worte klammern, solange am "Andreas-Hofer-Lied" nichts geändert werde, so der Tiroler scherzend.

Opposition fordert Änderung des Textes
Zustimmung kam von der Opposition, deren Frauenpolitikerinnen schon seit Jahren den Text von Paula von Preradovic einer Änderung unterziehen wollen. Die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer freute sich über ein Einlenken der ÖVP, ärgerte sich aber über einen Alleingang der Koalition und will bezüglich des Textes eine Vier-Parteien-Einigung.

Ihr Parteikollege Andreas Mailath-Pokorny regte als Wiener Kulturstadtrat dann auch gleich einen künstlerischen Wettbewerb in Sachen Hymne an. Die Grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger stellte lapidar zum Rauch-Kallat-Vorhaben fest: "Gut, wenn auch reichlich spät". (apa/red)

26.9.2005 08:16