Mittwoch, 21. September 2005

tele.ring-Mitarbeiter behalten ihre Arbeit:
T-Mobile gibt Jobgarantie bis Mitte 2006

  • Vereinbarung gilt auch für die T-Mobile-Belegschaft
  • Unternehmen will möglichst viele Mitarbeiter behalten

Der zweitgrößte österreichische Mobilfunkanbieter T-Mobile Austria gewährt nach erfolgter Übernahme des Konkurrenten tele.ring eine Beschäftigungsgarantie bis Mitte 2006. In einer gemeinsamen Aussendung mit der Gewerkschaft hat die österreichische Mobilfunktochter der Deutschen Telekom bestätigt, dass Kündigungen erst nach Ablauf der Frist am 30.6.2006 ausgesprochen werden können. Darauf haben sich Arbeitnehmervertreter und Management nach drei Verhandlungsrunden geeinigt.

Jobgarantie für alle
Die Garantie gilt sowohl für die bisherigen tele.ring-Mitarbeiter, als auch für das bestehende T-Mobile Austria-Personal - in Summe 2.200 Beschäftigte. Berücksichtigt man, dass viele Mitarbeiter über eine Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten verfügten und die Kündigungen in vielen Fällen dann erst mit Quartalsende wirksam würden, habe man für eine große Zahl für Mitarbeiter die Beschäftigung bis Jahresende 2006 gesichert, sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Karl Proyer, im Gespräch mit der APA.

Möglichst viele Mitarbeiter behalten
Gleichzeitig geht der Gewerkschafter davon aus, dass T-Mobile danach "deutlich weniger" als die zuletzt angekündigten 200 bis 300 Arbeitsplätze abbauen wird. T-Mobile-Geschäftsführer Georg Pölzl betonte: "Es ist unser Interesse, möglichst vielen interessierten und motivierten Mitarbeitern eine Perspektive im gemeinsamen Unternehmen zu bieten."

Jobvermittlung oder Sonderabfertigung
Wen es dennoch trifft, für den sieht der Sozialplan wahlweise eine Karriereplanung und Jobvermittlung im Rahmen eines "Outplacement-Programms" oder eine einmalige Sonderabfertigung vor, die um die Hälfte höher sein wird als die gesetzliche Abfertigung. Für schwer vermittelbare Mitarbeiter mit geringer Qualifikation wird es außerdem einen zusätzlichen Härtefonds und Unterstützung durch den Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (WAFF) geben.

Arbeitsmarktsituation in Branche prekär
Im Durchschnitt sind die Beschäftigten beider Unternehmen um die 30 Jahre alt und sollten in der Regel noch relativ leicht einen Job finden. Allerdings verweist Gewerkschafter Proyer darauf, dass die Arbeitsmarktsituation in der Telekombranche (IKT) derzeit "prekär" sei. Die Einigung über den Sozialplan mit T-Mobile sei daher von "besonders hoher Qualität" gewesen und habe "Vorbildcharakter" für andere Unternehmen der Branche.

Belegschaft reagiert erleichtert
Schon am Dienstag hatte die Gewerkschaft den Sozialplan den tele.ring-Mitarbeitern vorgelegt. Die Pläne seien auch dort im Rahmen einer Betriebsversammlung "wohlwollend zur Kenntnis genommen worden", heißt es aus der GPA. Ursprünglich hatte der tele.ring-Betriebsrat mit Streik gegen einen Verkauf des Unternehmens an den Konkurrenten T-Mobile gedroht. Erst nachdem schon der bisherige US-Eigentümer Alltel für den Verkauf eine Jobgarantie und zusätzlich eine einmalige Sonderprämie in Aussicht gestellt hatte, war die Belegschaft von der Streikdrohung wieder abgerückt.

Klarheit über Konzept gewünscht
Der Betriebsratsvorsitzende, Adolf Beauvale, zeigte sich "zufrieden" mit der endgültigen Einigung. Der Sozialplan sei "nicht so schlecht". Allerdings verlangt er vom künftigen Eigentümer mehr Klarheit über das Konzept hinter der Fusion von T-Mobile und tele.ring. Derzeit lasse sich für die Belegschaft noch kaum abschätzen, wie sich die Fusion auf die Arbeitsplätze auswirken werde.

Genehmigung aus Brüssel im Spätherbst erwartet
Bei T-Mobile verwies man in den Verhandlungen auf Verschwiegenheitspflichten im Rahmen des laufenden Wettbewerbsverfahrens. T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl erwartet die kartellrechtliche Genehmigung nach jüngsten Aussagen für Oktober/November dieses Jahres. Entschieden wird die Wettbewerbsfrage laut GPA voraussichtlich in Brüssel. Gravierende Auflagen sind demnach nicht zu erwarten. (apa/red)

21.9.2005 13:40