Dienstag, 20. September 2005

Web-Tauschbörsen vor endgültigem Aus? Fünf Dienste liebäugeln mit Bezahl-Service

  • Musikbiz fordert besseren Schutz des Urheberrechts
  • Börsen wollen nun auf legales Fire-Sharing umsteigen

Mindestens fünf Online-Tauschbörsen überlegen derzeit die Umwandlung ihres Angebots in ein Bezahlservice. Den Bemühungen vorausgegangen war eine Aufforderung der Musikindustrie in der Vorwoche, das Urheberrecht besser zu schützen. Das Musikbiz stützt sich dabei auf ein Urteil des Obersten US-Gerichtshofs, welches besagt, das Internet-Tauschbörsen für die Verfehlungen ihrer Kunden verantwortlich gemacht werden können.

Aus für Grokster
Bereits vergangene Woche hatte das "Wall Street Journal" berichtet, der vom Gericht verurteilte Anbieter der Software Grokster verhandele mit dem Bezahlservice "Mashboxx" über eine Übernahme. Mashboxx will legales Filesharing betreiben und hat sich im Juni mit Sony BMG über die Lizenzierung von Musikstücken geeinigt. Grokster war verurteilt worden, einen Filter in seine Software einzubauen, die den Tausch von geschützter Musik, Videos und Software verhindert. Der US-Musikverband hatte anschließend andere Tauschbörsen-Betreiber dazu aufgefordert, ebenfalls solche Filter in ihre Software einzubauen, berichtet die Netzeitung.

Droht allen Tauschbörsen das Ende?
Ähnlich wie "Mashboxx" will auch der Bezahldienst "iMesh" Tauschbörsen wie "eDonkey" oder "LimeWire" übernehmen. "iMesh" führt eigenen Angaben zufolge "Verhandlungen mit einigen durchaus bekannten Größen". Sam Yagan, Chef der Softwarefirma MetaMachine, die "eDonkey" betreibt, bestätigte indirekt, dass man nach dem Urteil des Obersten US-Gerichtshofes kaum noch Handlungsspielraum sieht: "Seit der Grokster-Entscheidung haben wir darüber nachgedacht, wie wir weitermachen. Die Briefe der vergangenen Woche haben uns die Dringlichkeit einer Entscheidung vor Augen geführt." Zugleich sagte er, man habe noch nicht entschieden, ob man "eDonkey" in einen Bezahlservice umwandeln wolle, so die Netzeitung.

Geben die Börsen jetzt auf?
Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf den US-Phonoverband, es gebe mit mehreren Tauschbörsen Gespräche über Abfindungen. Dies würde auch darauf hindeuten, dass diese erwägen, die juristische Auseinandersetzung aufzugeben. (red)

20.9.2005 15:54