Donnerstag, 22. September 2005

Sony-Konzern geht nun auf Schrumpfkurs: Fabriken geschlossen und Stellen abgebaut

  • 10.000 Mitarbeiter weltweit verlieren jetzt ihre Jobs
  • Konkurrenz aus Billigländern macht Sony zu schaffen

Der japanische Elektronik- und Unterhaltungsriese Sony geht auf Schrumpfkurs: Weltweit werden 10.000 Stellen gestrichen, elf Fabriken dicht gemacht und gut ein Dutzend unprofitable Geschäftsfelder geschlossen. Damit sollen in den nächsten drei Jahren 200 Mrd. Yen (knapp 1,5 Mrd. Euro) eingespart werden.

74 Mio. Euro Nettoverlust
Sony erwartet in dem bis März 2006 laufenden Geschäftsjahr einen Nettoverlust von umgerechnet 74 Mio. Euro. Der Konzern leidet unter der starken Konkurrenz bei Elektronikgeräten aus asiatischen Billigländern. Kritiker werfen Sony zudem vor, wichtige Trends verschlafen zu haben.

Sony streicht 10.000 Stellen
Der verkündete Umstrukturierungsplan bis sieht bis März 2008 den Abbau von rund sechs Prozent der Stellen vor. 4.000 Jobs sollen in Japan wegfallen, 6.000 im Ausland. Welche Länder in welchem Umfang genau betroffen sein werden, wollte Konzernchef Howard Stringer vorerst nicht sagen. Der Amerikaner britischer Herkunft steht seit März an der Sony-Spitze. Ursprünglich hatte der Konzern statt des jetzt prognostizierten Konzernverlustes von umgerechnet 74 Mio. Euro einen Gewinn in gleicher Höhe erwartet.

Österreich ist nicht betroffen
Sony DADC in Österreich mit den beiden Werken in Anif und Thalgau ist von den Stellenstreichungen nicht betroffen, hieß es in Salzburg am Donnerstag auf APA-Anfrage.

Konzern galt lange Jahre als Pionier
Sony galt lange Jahre durch Produktneuheiten wie das Transistorradio oder später den Walkman als Pionier in der Welt der Unterhaltungselektronik. In den letzten Jahren verblasste dieser Ruhm etwas hinter dem Aufstieg von Konkurrenten wie Samsung aus Südkorea und anderen, weniger bekannten Konzernen aus Asien, die Sony mit billigeren Preisen den Kampf angesagt hatten. Bei wichtigen Trends wie dem Flachbildfernsehen geriet Sony nach Ansicht von Branchenkennern ins Hintertreffen und verlor Marktanteile gegen den japanischen Newcomer Sharp und den langjährigen Erzrivalen Matsushita ("Panasonic").

Apple hat Sony überholt
In der Sparte der tragbaren Musikabspielgeräte - eigentlich eine Domäne von Sony - lief Apple mit dem iPod den Japanern in den vergangenen Jahren den Rang ab. Erfolgreicher laufen dagegen für Sony die Filmsparte ("Spider-Man") und die Spielkonsole PlayStation.

Ist die Misere hausgemacht?
In den vergangenen fünf Jahren verloren Sony-Aktien zwei Drittel ihres Wertes. Zuletzt notierten sie bei rund 4.000 Yen (29 Euro). Der Analyst John Yang von der Rating-Agentur Standard & Poor's in Tokio warf der Sony-Führung vor, nach wie vor auf zu vielen Hochzeiten tanzen zu wollen. "Howard Stringer redet viel über Kostensenkungen. Er spricht nicht darüber, wie er Wachstum schaffen will." Wenn er Noten zu verteilen hätte, bekäme der Sony-Chef höchsten eine 3 minus, sagte Yang. (apa/red)

22.9.2005 16:37