Mittwoch, 21. September 2005

Uni-Chaos: Studenten klagen an

Aufstand gegen Gehrer: Totales Chaos an den Unis kurz vor Studienbeginn: Jetzt platzt immer mehr Studenten der Kragen.

Silvia O. kann es noch immer nicht fassen. „Ich hab mein ganzes Leben umgekrempelt, um mir endlich meinen Lebenstraum zu erfüllen“, erzählt die 30-jährige Innsbruckerin, die ihre Wohnung, ihr Auto und ihren fixen Job aufgegeben hatte, um die Studienberechtigungsprüfung zu absolvieren und in Wien, an Österreichs einziger Veterinärmedizinischen Universität, studieren zu können. Knapp vor dem Ziel war aber Endstation: Silvia erfuhr via Internet, dass sie im neuen, mehrstufigen Auswahlverfahren (Punktesystem auf Basis von Schulnoten in Biologie, Chemie, Physik und Deutsch, Motivationsschreiben, studienbezogenes Engagement, Eignungstest sowie ein persönliches Gespräch) nach der vorletzten Runde ausgeschieden ist. Und das, obwohl sie beim Eignungstest knapp 84 Prozent erreicht hatte.

Vor dem Nichts. Welches Kriterium ihren Aufstieg in die Endrunde schließlich verhinderte, wurde Silvia bislang nicht mitgeteilt. Die Innsbruckerin steht jedenfalls vor dem Nichts. „Am 1. Juli bin ich mit einem klaren Lebensziel nach Wien gezogen. Am 7. Juli entschieden andere über meine weitere Zukunft.“

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das die Aufhebung der Studienbeschränkungen für EU-Ausländer an den österreichischen Universitäten verlangt, ist in der heimischen Studentenwelt nichts mehr, wie es war. Um einen nicht bewältigbaren Ansturm deutscher Numerus-clausus-Flüchtlinge abzuwehren, wurden erstmals an den Studienrichtungen Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, Biologie, BWL, Psychologie, Pharmazie und Publizistik Zulassungsstopps verhängt. Obwohl das Verfahren des EuGH bereits im März 2003 eröffnet worden war, reagierte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer erst in letzter Minute. Die betroffenen Unis traf der Entscheid unvorbereitet und mit voller Wucht. Die Rektorate mussten in unzumutbar kurzer Zeit „Notlösungen“ basteln.

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21.9.2005 16:44