Mittwoch, 21. September 2005

Mord in der Schulpause

Tatort Klassenzimmer. Warum Kevin, 14, in einer Wiener Schule sein Leben lassen musste. Chronik einer verhinderbaren Katastrophe. Das „Sündenregister“ des 15-jährigen Mord-Verdächtigen. Und: Wie die Gewalt an unseren Schulen explodiert.

Es ist dieser eine Satz, der so banal wie hilflos zugleich dasteht, gesprochen von Natasa N., jener Mutter, deren Sohn Nikola mutmaßlich zum Mörder geworden ist: „Warum, so fragt die gebrochene Frau mit tränenerstickter Stimme, „darf man in Österreich überhaupt ein Messer besitzen?“

Am 15. September hat ihr jüngster Sohn im Alter von 15 Jahren das Fanal gesetzt, mit einem Messer seinen 14-jährigen Mitschüler Kevin G. niederzustechen. Nach einem kurzen, eigentlich harmlosen Schülerstreit im Zimmer der Klasse K1 des Polytechnischen Lehrgangs in der Wiener Schopenhauerstraße. Einer Dutzend-Auseinandersetzung in Zeiten, wo Ego-Shooting-Spiele vom PC jedes zweiten Halbwüchsigen flimmern. Mit Folgen, die das Leben zweier Familien dramatisch und schlagartig änderten: Kevin erlag seinen Verletzungen, selbst 30 Liter Blutkonserven konnten den Buben im Wiener Wilhelminenspital nicht mehr retten. Nikola sitzt in einer Sechs-Mann-Jugendzelle des Wiener Landesgerichts.

„Ich wollte gar nicht zustechen“, sagt er im Verhör, „aber der Kevin hat mich gewürgt.“ Und: „Es ist irgendwie passiert.“ Den zweiten Stich, jenen, der Kevins Gedärme zerfetzte und eine Hauptschlagader durchtrennte, will Nikola überhaupt nicht mehr in Erinnerung haben.

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21.9.2005 16:27