Sonntag, 25. September 2005

40 Mrd. Dollar bis Jahresende: IWF einig über Schuldenerlass für ärmste Länder

  • Zustimmung der Weltbank gilt als Formsache
  • 18 Staaten können sich Hoffnung machen

Die 18 ärmsten Länder der Welt können sich Hoffnung auf einen Erlass ihrer Schulden in Höhe von 40 Milliarden Dollar (33,0 Mrd. Euro) bis zum Jahresende machen. Die 184 Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellten sich am Samstag in Washington hinter die entsprechende Initiative der G-8-Gruppe, wie der britische Finanzminister und Vorsitzende des IWF-Währungs- und Finanzausschusses, Gordon Brown, mitteilte. Eine Zustimmung des leitenden Gremiums der Weltbank am Sonntag galt als Formsache, weil die Mitgliedschaft in IWF und Weltbank identisch ist.

Brown sprach von einem "Durchbruch" bei der IWF-Jahrestagung in Washington. In Sachen Schuldenerlass habe es Übereinstimmung "in allen Elementen" gegeben. Einzelheiten der Entschuldung blieben aber weiter unklar. Der IWF-Ausschuss zeigte sich außerdem besorgt über den Ölpreis und appellierte an Förderstaaten und Konzerne, zur Preisstabilität beizutragen.

Laut Brown wollte IWF-Chef Rodrigo Rato das Exekutivdirektorium des Fonds einberufen, um das Entschuldungsprogramm formell unter Dach und Fach zu bringen. Auf die Weltbank, die am Sonntag in Washington tagen sollte, entfallen etwa 70 Prozent der zu erlassenden Schulden. Den Rest teilen sich IWF und Afrikanische Entwicklungsbank. allein im nächsten Jahr sind deutschen Angaben zufolge 380 bis 400 Millionen Dollar fällig. Diese Summe steigt bis 2020 auf jährlich zwei Milliarden Dollar und geht dann über 20 Jahre kontinuierlich zurück.

In einem am Freitag veröffentlichten Brief an Weltbank-Chef Paul Wolfowitz hatten die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) zugesichert, für die vollständige Kompensierung der wegfallenden Schuldenrückzahlungen inklusive Zinsen zu sorgen. Damit suchte die Gruppe den Befürchtungen anderer Staaten entgegenzutreten, die Finanzinstitutionen könnten durch den Schuldenerlass ausgezehrt und in ihrer Fähigkeit zur Vergabe neuer Kredite eingeschränkt werden. Belgien sowie unter anderen mehrere skandinavische Staaten, die schon jetzt mehr Geld für Entwicklungshilfe aufbringen als die Länder der G-8, hatten ihrerseits gefordert, die Lasten gerechter zu verteilen.

Unklar blieb allerdings zunächst weiterhin, ob sich neben den G-8-Ländern auch andere reiche Staaten an der Finanzierung des Schuldenerlasses beteiligen werden. Brown machte dazu keine Angaben. Der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser hatte eine finanzielle Beteiligung etwa der Niederlande, Schwedens oder der Öl exportierenden Länder gefordert. Er betonte, dass Deutschland seinen Anteil an dem Programm nicht aufstocken werde. (apa/red)

25.9.2005 14:27