Freitag, 23. September 2005

Bahn profitiert von hohen Spritpreisen: Auslastungs-Anstieg im Nahverkehr um 10%

  • Keine Tariferhöhung für das laufende Jahr geplant
  • Dieselzuschlag auf Tickets aber längerfristig in Überlegung

Die steigenden Spritpreise haben den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in den vergangenen Monaten deutlich mehr Fahrgäste beschert. Laut ÖBB-Chef Martin Huber sind die Fahrgastzahlen im Nahverkehrs teilweise um zehn Prozent gestiegen, im Fernverkehr auf einzelnen Strecken um fünf Prozent und im Bereich der Business-Reisenden (1. Klasse) sogar um mehr als zehn Prozent. Eine Erhöhung der Ticketpreise schloss Huber im Gespräch mit der APA trotz hoher Energiepreise zumindest für heuer aus.

Allerdings schränkt er auf längere Sicht ein: "Wenn die Energiepreise langfristig so hoch bleiben, dann wird auch bei uns ein Schritt nicht ausbleiben." Die Deutsche Bahn erhöht ihre Fahrpreise wegen der hohen Energiekosten im Dezember im Durchschnitt um rund 3 Prozent. Befragt nach möglichen künftigen Diesel-Zuschlag für die Bahn, vergleichbar mit den Kerosinzuschlägen in der Luftfahrt, meinte Huber: "Nachdenken tut man über alles. Wir müssen sehen, wie wir mit Kosten, die nicht von uns verursacht sind und die wir nicht beeinflussen können, umgehen."

Kurzfristig können die ÖBB die hohen Energiekosten aber bewältigen. Die Treasury-Abteilung der ÖBB habe bereits vor einem halben Jahr begonnen, die Bahn gegen die hohen Energiepreise abzusichern. Außerdem hielte Huber eine Tariferhöhung derzeit für "kontraproduktiv". Immerhin versuche man gerade, angesichts der hohen Spritpreise mit gezielten Marketingmaßnahmen und Kostenvergleichen neue Fahrgäste für den öffentlichen Verkehr zu gewinnen.

Und: Im Personenverkehr sei jahrelang unterinvestiert worden. Jetzt werden neue Züge angeschafft, die Zuginformation und der Ticketvertrieb verbessert. Solange dadurch keine nachhaltige Qualitätsverbesserung erreicht worden sei, sei eine Tariferhöhung kein Thema, betonte Huber. Für diese Investitionen mahnte er am Freitag einmal mehr ein, dass sich die öffentliche Hand - sprich Bund oder Länder - finanziell daran beteiligen sollten.

Insgesamt wollen die ÖBB für rund 700 Mio. Euro neue Züge kaufen. Die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz der neuen Züge (Talent, Desiro, Doppelstock) hätten gezeigt, dass auf diesen Strecken die Fahrgastzahlen deutlich gestiegen sein. "Das sollte die Länder motivieren, hier mitzufinanzieren", erklärte Huber.

In den derzeit laufenden Verhandlungen über den weiteren Infrastrukturausbau mit dem Finanzministerium drängt der ÖBB-Chef vor allem auf die Neuaufnahme des zweigleisigen Ausbaus zwischen Wien und Bratislava (sowohl über den Marchegger Ast, als auch über die so genannte Schleife Götzendorf), der Pottendorfer Linie und des Baus des Semmering-Basistunnels. Die jährlichen Zusatzkosten für dieses Paket bezifferte Huber mit rund 300 Mio. Euro.

Großteils werden diese Investitionen von den ÖBB aus eigenen Einnahmen finanziert. Allerdings hat Huber zuletzt darauf hingewiesen, dass der Bund jährlich zwischen 50 und 75 Mio. Euro zusätzlich oder kumuliert einmal 300 bis 450 Mio. Euro spätestens nach 2010 dazu zahlen wird müssen. Der Bund ist laut Gesetz verpflichtet, die Finanzierung der im so genannten Rahmenplan vereinbarten Bahnbauprojekte sicherzustellen. (apa/red)

23.9.2005 16:17